eForum zeitGeschichte 1/2001

Zeitgeschichtsforschung und Internet.

ZIS (Zeitgeschichte-Informations-System) als Beispiel

von von Ingrid Böhler

Vorbemerkung

Das Bild einer Großbaustelle bietet sich beim Versuch an, den Status Quo im Verhältnis zwischen Zeitgeschichtsforschung und Internet zu veranschaulichen: Riesige Schilder auf den Bauzäunen ringsherum klären auf, welch ehrgeiziges, innovatives Projekt hier im Entstehen begriffen ist, und die Liste der beteiligten Unternehmen ist lang. Die Ausmaße des Gebäudes sind deutlich zu erkennen, auch für welche Zwecke es einmal dienen soll. Die Tiefgarage ist bereits in Betrieb, in einem Gebäudetrakt ist man bei der Innenausstattung angelangt, in einer anderen Ecke hingegen wird noch emsig gemauert. Obwohl die Arbeiten schon weit gediehen sind, ist noch manche Etappe zu bewältigen, bis sich aus dem geschäftigen Durcheinander ein funktionierender Gebäudekomplex zusammenfügt. Und ob sich alle gesteckten Ziele seiner Errichter bzw. die hohen Erwartungen seiner Benützer erfüllen werden, wird sich erst dann erweisen.

Übertragen wir dieses Bild nun auf das Projekt, das Internet für die Zeitgeschichtsforschung nutzbar zu machen: Keine Frage, dass die Überzeugung, welche in diesem Streben ein höchst innovatives Potential erkennt, breite Zustimmung findet. Davon zeugt u.a. die Beachtung, welche den sogenannten neuen Medien auf Tagungen, deren Programme auf eine aktuelle Bestandsaufnahme der Disziplin abzielten, in den letzten Jahren eingeräumt wurde. Der österreichische Zeitgeschichtetag ist hierfür nur ein Beispiel. Desgleichen spiegeln die Ressourcen, die in die Entwicklung unterschiedlichster Internet-Applikationen mit zeithistorischen Inhalten investiert wurden und werden, die dem Internet entgegen gebrachte Beachtung und Erwartung wider. Die Gruppe von Akteuren, die in irgendeiner - mehr oder weniger bedeutsamen - Form am Aufbau einer zeithistorischen Internetlandschaft mitwirkt, vereint in der Mehrheit altbekannte Namen, denn mittlerweile ist auch hierzulande für alle größeren und kleineren Institutionen oder Vereinigungen, die im Bereich der Zeitgeschichte wissenschaftlich tätig sind, zumindest eine Homepage zur Pflicht geworden. Zudem können Beobachter laufend mitverfolgen, wie die Informationen, mit denen solche Einrichtungen im Internet auftreten, ausgebaut werden, an Umfang und Wert zunehmen. Ob inhaltliche oder wissenschaftsorganisatorische Fragestellungen - in sehr vielen Situationen ist neben dem Gang in die Bibliothek, dem Blick in Fachzeitschriften oder Newsletter ein aufmerksamer Blick in die virtuelle Welt dringend geraten. Kaum ein Forscher oder Student, der nicht solche Angebote zu schätzen gelernt hat.

Unbestreitbar hat das Internet sowohl die Kommunikationswege des Wissenschaftsbetriebs als auch die wissenschaftlichen Darstellungsformen soweit bereichert und verändert, dass es heute als nichts weniger denn ein unverzichtbares Hilfsinstrument für das wissenschaftliche Arbeiten bezeichnet werden muss. Die Wechselwirkung zwischen wachsendem Stellenwert des Mediums in Forschung und Lehre und den steigenden Erwartungen der Internet-Anwender waren bzw. sind wesentlich für die enorme Dynamik dieses Ausbau-Prozesses verantwortlich. Während also noch vor wenigen Jahren - am Beginn dieser Entwicklung - wenige versprengte Netz-Enthusiasten dessen Träger waren, ist neuerdings eine stärkere Einflussnahme von Seiten der staatlichen Erhalter der Forschungs- und Bildungsstätten zu orten. In der Regel mit dem Streben nach Qualitätsverbesserung, internationaler Konkurrenzfähigkeit etc. begründet, ist die Absicht, durch verstärkte Indienstnahme neuer Technologien zukünftig Kosten v.a. im Bildungssystem zu senken, dennoch unverkennbar1.

Trotz aller Bestrebungen und erreichter Leistungen lassen sich aber für die Zeitgeschichte und andere (historische) Disziplinen zentrale Bereiche ausmachen, die sich bis dato allenfalls im Experimentierstadium befinden. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang v.a.:

* Hinsichtlich der Etablierung bzw. Institutionalisierung von Internetforen als wissenschaftliches Publikationsmedium jenseits der bloßen Doppelung von gedruckten Schriften sind die meisten Fragen ungeklärt, z.B. welche Rolle Buchverlage dabei spielen werden, wie Zugänglichkeit, Dauerhaftigkeit bzw. Archivierung oder Qualitätssicherung garaerung garantiert werden können etc.

* Die Digitalisierung von Quellen bzw. die speziell für die Zeitgeschichtsforschung zunehmend bereits in elektronischer Form vorliegenden Dokumentenmaterialien werden in Kombination mit Computernetzwerken längerfristig nicht nur zu einer tatsächlich gegebenen weltweit gemeinsamen Quellenbasis führen, sondern auch ein Umdenken in bezug auf theoretische und methodische Editionsrichtlinien sowie die Erweiterung des quellenkritischen Procederes erfordern.

* Für die Erarbeitung von Unterrichtsmodellen und -modulen auf der Basis von "flexible"",distance" oder "tele-learning" finden sich an jeder Universität Arbeitsgruppen, Koordinationsteams verbinden Ministerien und die einzelnen Institutionen miteinander etc., über die daraus resultierenden Umwälzungen im Lehrbetrieb, in den deb, in den didaktischen Funktionen der Lektor/inn/en usw. sind auswertbare praktische Erfahrungen indes noch weitgehend ausständig.

* Last but not least sei angemerkt, dass die Möglichkeiten von "video-" und "webconferencing" auch den internationalen Tagungsbetrieb der "scientific community" nicht unberührt lassen werden.

Es mögen zwar funktionsfähige, übertragbare Lösungen für die angeführten Punkte noch offen sein, so steht doch außer Debatte, dass gravierende Veränderungen auf die historische Zunft zukommen.

Vorgeschichte und Zielsetzungen von ZIS

Das "Zeitgeschichte-Informations-System" (ZIS) unter der Adresse http://zis.uibk.ac.at/ istbk.ac.at/ ist seit Anfang 1995 online, und es zählt damit unter den zeitgeschichtlichen, wissenschaftlich orientierten Internet-Angeboten im deutschsprachigen Raum zu den Pionier-Projekten.

Seine Vorgeschichte reicht bis 1993 zurück, als das Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck den "Österreichischen Zeitgeschichtetag" zum ersten Mal veranstaltete. Im Zusammenhang mit den Planungen für diese seit damals in zweijährlichen Intervallen stattfindenden Konferenzen entstand auch die Idee für ein Informationsmedium, das mithelfen sollte, die Disziplin in organisatorischer und kommunikativer Hinsicht besser zu vernetzen und auch deren Wahrnehmung über die nationalen Grenzen hinweg zu steigern. Es sollte sich damit ein Überblick über die österreichische Forschungslandschaft gewinnen lassen, aber auch den raschen Zugang zu wichtigen Daten auf internationaler Ebene ermöglichen.

Zeitgleich mit dem Beginn der Planungen für ZIS vollzog sich der eigentliche Durchbruch des Internets durch die Verbreitung der ersten grafischen und damit einfach zu bedienenden Benutzeroberflächen für das World Wide Web. Mit Blick auf den an den Universitäten ebenfalls zu erwartenden Internet-Boom lag es auf der Hand, ZIS als online-Dienst zu realisieren. Diese Entscheidung betraf sowohl die Wahl des Mediums als auch die inhaltliche Konzeption. Nicht mehr die Erhebung und Digitalisierung von Informationen, die für den zeitgeschichtlichen Forschungsbetrieb von Relevanz waren, standen im Vordergrund, sondern der Entwurf einer Plattform, auf der bereits Abrufbares zusammengeführt werden sollte. Dadurch machte sich ZIS die wohl attraktivste Eigenschaft des WWW, die Zugriffsmöglichkeit auf dezentral abgelegte Ressourcen mittels "anklickbarem" Hypertext, zunutze2.

Inhalte, Aufgaben und Funktionen von ZIS

Die ZIS-Link-Datenbank

Den Ausgangsüberlegungen entsprechend, bildet eine netzwerkfähige Datenbank, mit der Adressen bzw. Links von zeitgeschichtlich relevanten Internet-Seiten verwaltet werden, das Herzstück von ZIS. Die Lokalisierung innerhalb eines riesigen Angebots, in dem organisatorische Beliebigkeit waltet, bzw. die Beurteilung von Daten, die vor ihrer Veröffentlichung keiner Qualitätskontrolle beispielsweise durch das Verlagswesen unterliegen, stellen nach wie vor die Kernprobleme dar, die sich selbst für diejenigen, die mit dem Medium alltäglichen Umgang pflegen, eröffnen. Von kommerziellen Unternehmen betriebene, allgemeine Suchmaschinen leisten in diesem Zusammenhang nur einen unzureichenden Service. Ein Lösungsansatz dieses Dilemmas sind daher auf einzelne Disziplinen beschränkte Suchhilfen bzw. Nachweisdienste.

ZIS ist natürlich weder die einzige Suchhilfe für die (Zeit)Geschichtswissenschaften - an erster Stelle ist hier die WWW-Virtual Library3 zu nennen - noch kann es Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Der Vorteil des Systems liegt v.a. in den Zusatz- bzw. Hintergrundinformationen, mit denen die aufgenommenen Adressen bezüglich des Inhalts sowie des Betreibers versehen werden, begründet. Gerade letztere Angabe ist wichtig, da sie zwar nicht die Garantie, aber doch einen Hinweis auf "Wissenschaftlichkeit", auf stabilen Server-Betrieb, laufende Aktualisierung usw. liefern kann. Der Hauptzweck der Datenbank ist es, für Benutzer/inne/n das zeitaufwendige ziellose "Herumklicken" im Internet zu verkürzen.

Gleichzeitig muss vor allzu großen Erwartungen gewarnt werden. Die Notwendigkeit, über Grundkenntnisse der wesentlichen Funktionsprinzipien des Internets zu verfügen oder gewisse Techniken, z.B. eine auf der Logik der Booleschen Algebra aufgebaute Datenbank-Abfragesyntax, zu beherrschen, erspart auch ZIS seinen Benutzer/inne/n nicht. Enttäuschungen können auch immer wieder hinsichtlich der erhofften Suchergebnisse entstehen. Denn es ist nach wie vor eher ein Glücksfall, im Internet einen Server zu finden, auf dem man sich umfassend zu einem bestimmten Thema informieren informieren kann, darüber hinaus folgen die gefundenen Darstellungen oft sehr traditionellen, personen- bzw. ereignisorientierten Ansätzen.

Derzeit enthält die ZIS-Datenbank rund 750 WWW-Adressen, die Informationen zum Bereich Geschichte/Zeitgeschichte - die Grenzen lassen sich nicht immer klar ziehen - anbieten. Aufgrund dieser häufig gegebenen zeitlichen Abgrenzungsproblematik der Internet-Ressourcen deckt die Sammlung - mehr aus praktischen Gründen heraus - einen Zeitraum ab, der in etwa der französischen "histoire contemporaine" entspricht, also Ende des 18. Jahrhunderts beginnt. Geografisch liegen die Adressen zum überwiegenden Teil im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum sowie in Israel. Diese Auswahl focusiert auf jene Länder mit der stärksten Präsenz im Netz bzw. mit den ausgeprägtesten Beziehungen zur österreichischen Geschichtsforschung.

In vier inhaltlich unterschiedliche Gruppen gliedern sich die Internet-Seiten, die über die ZIS-Datenbank abrufbar sind, wobei auf manchen Servern verschiedene Informationstypen gleichzeitig angeboten werden4:

Primärquellen zur Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert

Auch ZIS bietet seinen Besucher/inne/n eine Auswahl historischer Quellen. Zu wichtigen Themen der österreichischen Zeitgeschichte enthält es eine Sammlung von rund 140 Primärtexten, von der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien bis zum Bericht der internationalen Historikerkommission in der Causa Waldheim24. Sie entstammt mit Ausnahme von zwei Kapiteln dem von Michael Gehler und Rolf Steininger herausgegebenen Studienbuch "Österreich im 20. Jahrhundert"25. Für den Abschnitt "Österreich und die europäische Integration", ein Gegenstand, mit dem sich das Innsbrucker Institut für Zeitgeschichte bereits jahrelang beschäftigt, wurde der in drei Phasen unterteilte exemplarische Quellenkorpus im Sinne einer Didaktisierung um Grafiken, Schaubilder, Karikaturen und Partei-Propaganda ergänzt. Eine Chronologie ordnet die Dokumente den damit in Zusammenhang stehenden Ereignissen zu; Hyperlinks verweisen auf weitere Europa-Ressourcen im Web. Weiters finden sich zu jedem präsentierten Zeitabschnitt Fragestellungen bzw. Denkanstöße. Sie sollen, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, der Wissensreproduktion, der Anwendung und Übertragung auf andere Fallbeispiele dienen sowie dem Ableiten von Interpretationsansätzen beitragen. Anhand eines konkreten Themas wurde mit den genannten Begleit- bzw. Hintergrundinformationen versucht, ein Beispiel angewandter Internet-Didaktik zusammenzustellen, da die angebotenen Quellen in erster Linie für den zeitgeschichtlichen Unterricht von Interesse sind26.

Wann & Wo: Der Internet-Kalender

Dieser Kalender stellt eine leicht zu bedienende, zentrale und laufend aktuell gehaltene Übersicht von Terminen, die für das Fachgebiet Bedeutung haben - z.B. Konferenzen, Vorträge oder Ausstellungen - zur Verfügung. Die Eingabe der Daten erfolgt interaktiv, d.h. Daten können nicht nur in Innsbruck eingegeben werden, sondern - sofern eine Berechtigung für eine Person vergeben wurde - von jedem Internetfähigen Computer aus. Auch dieser Service dient dem bei der Einrichtung von ZIS gesteckten Ziel, die Kommunikation und den wissenschaftlichen Austausch unter Zeithistoriker/inne/n zu verbessern; schließlich gehört dazu die Wahrnehmung der Aktivitäten an anderen Forschungsstätten und jener Veranstaltungen, die unter österreichischer Beteiligung im Ausland stattfinden.

Dokumentation zur Geschichte Südtirols

Mit dieser Dokumentation, die Daten zur Südtiroler Geschichte von 1918 bis heute erfasst, erweist ZIS dem Faktum Referenz, dass die Universität Innsbruck Landesuniversität Südtirols ist, die Beschäftigung mit der wechselvollen politischen Entwicklung dieser Region einen Arbeitsschwerpunkt am Institut für Zeitgeschichte bildet und es sich zudem um einen lange Zeit zentralen Gegenstand österreichischer Diplomatie handelt. Der derzeitige Datenbestand gliedert sich in eine Chronologie, welche in Form einer suchbaren Datenbank rund 1000 Ereignisse verzeichnet27; und einen exemplarischen Quellenkorpus28. Hyperlinks verweisen schließlich auf weitere Südtirol-Ressourcen im Web. Analog zu dem im oben genannten Bereich "Österreich und die europäische Integration" angewandten Konzept sollen diese unterschiedlichen, um besonders aussagekräftige Dokumente gruppierten und untereinander verknüpften Daten die Kompilation zu Südtirol insgesamt didaktisch aufwerten.

Aufnahme und Akzeptanz von ZIS im Internet

Zugriffsstatistik


Diagramm 1: ZIS Pageviews Nov. 98 - Nov. 2000


Seit Sommer 1996 werden auf dem ZIS-Server Zugriffsdaten statistisch erfasst. Aus der Entwicklung der Anzahl der Page Views29 auf die verschiedenen Seiten in ZIS lässt sich eine überaus positive Tendenz erkennen: Im direkten Vergleich der November-Monate beträgt die Steigerung in den vergangenen drei Jahren rund 420 % bzw. 710 %, von 5.303 auf 22.061 bzw. zuletzt 37.680 monatlich aufgerufener Seiten. Das in der Grafik außerdem deutlich erkennbare "Sommer- oder Ferienloch" spiegelt den primären Nutzerkreis von ZIS an der Universitäten und Schulen wider.

Bei der Analyse der Zugriffsprotokolle nach Ländern ergibt sich v.a. durch die ".com"- und ".net"-Adressen eine prinzipielle Einschränkung, denn bei diesen - sie machen bei ZIS in den hier beispielhaft ausgewerteten Monaten Mai und Oktober 2000 40 bzw. 49 % der Zugriffe aus - lässt sich eine geografische Zuordnung nicht durchführen. Der über 30-%ige Anteil der Besucher/inne/n aus Österreich, zeigt aber die Bedeutung von ZIS für das nationale Publikum auf. Die Zugriffe aus der Bundesrepublik (immerhin 17 % bzw. 15 %) weisen auf eine häufige Nutzung von ZIS in Deutschland hin. Der relativ geringe Anteil von Besucher/inne/n aus dem englischsprachigen Raum ist darauf zurückzuführen, dass der Großteil des ZIS-Angebots zur Zeit leider nur in deutscher Sprache verfügbar ist.


Diagramm 2: ZIS Zugriffe Mai 2000


Diagramm 3: ZIS Zugriffe Oktober 2000


Schließlich lassen sich aus den Zugriffsdaten auch die Interessen der Benutzer/innen, aufgeschlüsselt nach Inhalt bzw. Informationsart, ermitteln. Die Link-Datenbank von ZIS steht eindeutig an erster Stelle. Der Vergleich zwischen den einzelnen Monaten dokumentiert darüber hinaus die anwachsende Nachfrage dieses "Herzstücks" von ZIS.


Diagramm 4: ZIS Zugriffe Februar 1999 nach Inhalten N=12452



Diagramm 5: ZIS Zugriffe Mai 2000 nach Inhalten N=22193


Durch die exakte Auswertung der vom WWW-Server protokollierten Zugriffe erhält das ZIS-Team einen Einblick hinsichtlich der Akzeptanz der von ZIS angebotenen Dienste und kann darauf flexibel mit Verbesserungen bei Layout und Präsentation reagieren, notwendige Änderungen von Inhalten anbringen und gezielt Neugestaltungen bzw. Neuaufnahmen forcieren.

Öffentlichkeitsarbeit: ZIS in Webkatalogen und Internetseiten für Historiker/innen

Von elementarer Bedeutung für die Wahrnehmung und damit für den Erfolg im WWW ist konsequente Öffentlichkeitsarbeit. Die Kommunikationswege der Forschung sind im Internet noch nicht in jenem Ausmaß definiert, wie dies bei den herkömmlichen Medien der Fall ist. Selbst umfassende, qualitativ hochwertige Web-Seiten können einem breiten Publikum im "Datendschungel" verborgen bleiben. ZIS arbeitet regelmäßig daran, in prominenten WWW-(Meta-)Suchmaschinen und -katalogen - z.B. Yahoo Deutschland und Yahoo International, AltaVista, Google, die Virtual Library etc. -, über die sehr viele Benutzer/innen in das Internet einsteigen, vertreten zu sein; hinzu kommen Bemühungen, mit möglichst vielen Anbietern von zeitgeschichtlich bzw. historisch relevanten Daten zu kooperieren, um auch damit den Bekanntheitsgrad von ZIS zu steigern. Ein Beispiel dafür stellt die Zusammenarbeit mit dem Eventkalender zur Neueren- und Zeitges- und Zeitgeschichte der WWW-Virtual-Library am Institut für Geschichte der Universität Dortmund, von dem aus direkt auf den ZIS-Kalender zugegriffen werden kann, dar30.

Zukunftsperspektiven

Mit ZIS wird den Historiker/inne/n ein fachbezogenes Portal angeboten, mit dem sich sowohl der Einstieg vereinfacht als auch ein Überblick über die aktuell vorhandenen Internet-Ressourcen gewinnen lässt, deren nutzbringende Eigenschaften wie auch festzustellende Defizite im vorliegenden Text skizziert wurden. Kontinuierliche Verbesserungen oder Ergänzungen von ZIS sowohl in inhaltlicher als auch softwaretechnischer Hinsicht sind natürlich erforderlich, um dem Anspruch einer verbindenden Internet-Plattform gerecht zu werden, denn das Internet wächst und verändert sich mit hoher Geschwindigkeit - auch im Hinblick auf die Merkmale und Bedürfnisse der Zeitgeschichtsforschung. Der Wert von ZIS wird jedoch auch weiterhin in erster Linie an der laufenden Aktualisierung seiner angebotenen Daten zu messen sein, da nur deren geringerer Teil, etwa die Quellensammlungen und Chronologien, statischer, d.h. abgeschlossener Natur ist. Dies wiederum kann nur durch eine ausreichende finanzielle Absicherung längerfristig garantiert werden, was in Zeiten von Sparbudgets kein geringes Problem darstellt.




 
 
 
 

1Vgl. hierzu das mit 100 Millionen öS veranschlagte Projekt "Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen, eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur'', [http://www.nml.at/], o.D. (Dezember 2000); ähnliche Programme laufen auch in den anderen deutschsprachigen Ländern.
2Hierzu genauer siehe Ingrid Böhler/Michael Kröll/Eva Pfanzelter, Surfen in der Zeitgeschichte. ZIS: Das österreichische Zeitgeschichte-Informations-System im Internet, in: Medien & Zeit. Kommunikation in Geschichte und Gegenwart 14 (1999), Heft 4, S. 43-50.
3Bei der Virtual Library handelt es sich um nach Stichworten gegliederte Sammlungen, zum Beispiel: WWW-VL History: Central Catalogue, [http://history.cc.ukans.edu/history/VL/index.html], o.D. (Dezember 2000). Eine Liste aller gesammelten Schlagwörter findet sich unter: The WWW Virtual Library, [http://www.vlib.org/], 1994-2000, 12. 12. 2000.
4Siehe hierzu auch die Einteilungsversuche von Internet-Ressourcen für die Geschichtswissenschaften bei Andrew McMichael/Michael O'Malley/Roy Rosenzweig, Historians and the Web: A Beginner's Guide, Perspectives of the American Historical Association, [http://chnm.gmu.edu/chnm/beginner.html], 1995, Dec.; Thomas A. Schröder, Historisch relevante Ressourcen im Internet und WorldWideWeb: Angebot, Bewertung und Ausblick, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (1996), H. 3, S. 465-477.
5Die ZIS-Datenbank - Ein Tor zum Internet, [http://zis.uibk.ac.at], Dezember 2000.
6Österreichische NationalBibliothek Online, [http://www.onb.ac.at/index.htm], 1998.
7ALEPH-Katalog, [http://bvzr.bibvb.ac.at:4505/ALEPH], o.D. (Dezember 2000).
8Institut für Geschichte an der Universität Klagenfurt, Österreichische Historische Bibliographie (ÖHB), [http://www.uni-klu.ac.at/groups/his/his_oehb/], o.D. (Dezember 2000).
9Historische Bibliographie Online, [http://www.historische-bibliographie.de/], o.D. (Dezember 2000).
10Stuart Jenks, Zeitschriftenfreihandmagazin - Inhaltsverzeichnisse geschichtswissenschaftlicher Zeitschriften in deutscher Sprache, [http://www.phil.uni-erlangen.de/p1ges/zfhm/zfhm.html], 17. Dezember 2000.
11Stefan Blaschke, The History Journals Guide, [http://www.history-journals.de/index.html], Dec. 13, 2000.
12Als Beispiel die Informationen zum Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck, [http://zis.uibk.ac.at/institut.html], Dezember 2000.
13Z.B. das Vorarlberger Landesarchiv Bregenz, [http://www.landesarchiv.at/], 1998, listet neben den einzelnen Bestandsgruppen auch deren jeweiligen Umfang auf.
14H-NET Humanities & Social Sciences Online, [http://www.h-net.msu.edu/Humanities & Social Sciences Online, [http://www.h-net.msu.edu/], 1995-2000.
15Z.B. die vorwiegend in deutscher Sprache abgefasste Liste H-Soz-u-Kult - Humanities - Sozial- und Kulturgeschichte", [http://www.h-net.msu.edu/sozkult/], 1996-2000.
16The History Journals Guide, E-Journals, [http://www.history-journals.de/hjg-ejournals.html ], Dec. 13, 2000; dazu auch Stefan Blaschke, Elektronische Zeitschriften fuer Historiker: Ein paar Anmerkungen, [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/beitrag/essays/blst0600.htm] , 21. 6. 2000.
17Z.B. Tiroler Landesarchiv: Geschichte & Archiv, [http://www.tirol.gv.at/landesarchiv/geschichte_archiv.html] , 21. 11. 2000.
18LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online, [http://www.dhm.de/lemo/], o.D. (Dezember 2000).
19A Cybrary of the Holocaust, Rember.org, [http://remember.org/], o.D. (Dezember 2000).
20The Nizkor Project, [http://www.nizkor.org/], o.D. (Dezember 2000).
21Ein beeindruckendes Beispiel zu US-amerikanischen Geschichte: Historical Collections from the National Digital Library Program - Prints and Photographs Division, [http://lcweb2.loc.gov/ammem/phcoll.new.html], o.D. (Dezember 2000).
22Als Beispiel das Archiv der Austria Presse Agentur, APA, [http://www.apa.at], 2. 1. 2001.
23Z.B. die Sammlung von Richard Hacken, EuroDocs: Primary Historical Documents from Western Europe, [http://www.lib.byu.edu/rdh/eurodocs/], December 2000.
24Primärquellen zur Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert, [http://zis.uibk.ac.at], Dezember 2000.
25Rolf Steininger/Michael Gehler (Hrsg.), Österreich im 20. Jahrhundert. Ein Studienbuch in zwei Bänden. (Böhlau-Studien-Bücher. Grundlagen des Studiums), Wien-Köln-Weimar 1997.
26Ingrid Böhler/Michael Gehler, Internet und angewandte Zeitgeschichtedidaktik am Beispiel "Österreich und die europäische Integration", in: Manfred Lechner/Dietmar Seiler (Hrsg.), zeitgeschichte.at. 4. österreichischen Zeitgeschichtetag '99, Innsbruck-Wien-München 1999, S. 34-40
27Die Daten stammen aus: Michael Gehler (Hrsg.), Verspielte Selbstbestimmung? Die Südtirolfrage 1945/1946 in US-Geheimdienstberichten und österreichischen Akten. Eine Dokumentation, Innsbruck 1996; Rolf Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert. Vom Leben und Überleben einer Minderheit, Innsbruck-Wien 31999 (11997); ders., Südtirol zwischen Diplomatie und Terror 1947-1969, Darstellung in drei Bänden (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs/Pubblicazioni dell'Archivio della Provincia di Bolzano 6-8), Bozen 1999; Archiv der Gegenwart 1931-1997. CD-ROM-Ausgabe, Grundwerk, Sankt Augustin 1998; Daten aus zahlreichen Dokumenten der Record Group 331, Allied Control Commission Italy, National Archives Washington DC, zusammengestellt von Eva Pfanzelter.
28Diese entstammen großteils Rolf Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert. Dokumente, Innsbruck-Wien 1999.
29Die folgenden präsentierten Auswertungen beziehen sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Textseiten (*.html, *.phtml) von ZIS, nicht enthalten sind demnach Bild- oder Frame-Dateien, die zu einer unseriösen Vergrößerung der erfolgten Zugriffe beitragen würden.
30Stephanie Marra, Eventkalender zur Neueren- und Zeitgeschichte, [http://www-geschichte.fb15.uni-dortmund.de/vl/meetings/], 29. 12. 2000.