eForum zeitGeschichte 1/2005

Österreich ist, wenn es richtig weh tut

Reflexionen und Reaktionen zur Ausstellung:
"Jetzt ist er bös, der Tennebaum. Die Zweite Republik und ihre Juden"
(20. April bis 4. Juli 2005, Jüdisches Museum Wien)

von Hannah Landsmann

Die Ausstellung ...

"Jetzt ist er bös der Tennenbaum" war nicht als Beitrag zum so genannten "Gedankenjahr 2005" geplant und hat sich als solcher doch in besonderer Weise von anderen "Jubiläumsausstellungen" abgehoben, erlaubte und erforderte durch einen neuen, anderen, ungewohnten Umgang mit Geschichte und Erzählweisen von Geschichte ganz besondere Interaktionen auf der Ebene der Vermittlung. Vermittlung sei hier sehr weitläufig verstanden, nämlich als Dialog zwischen Ausstellung und Besuchern, zwischen Dingen und Besuchern, zwischen Texten und Bildern sowie zwischen Ausstellungsdesign und ausgestellten Objekten. Chefkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek schreibt im Katalog zur Ausstellung:

"Die Ausstellung (...) kann und will keine lückenlose zeitgeschichtliche Darstellung der Jahre 1945-2005 leisten. Diese Aufgabe wurde und wird von anderen Medien als einer Ausstellung besser übernommen. Es geht auch nicht um historische Chronologien und die Anhäufung längst bekannter Fakten, sondern um das Aufzeigen neuralgischer Punkte und um die Einforderung von Diskussionen, die gar nicht oder höchst mangelhaft geführt wurden. (...) Die Ausstellung lädt ein, sich mit (...) spezifischen Ausschnitten der Geschichte der Zweiten Österreichischen Republik im Spannungsfeld zwischen informativen und formativen Ausstellungsinhalten zu beschäftigen. Die Einforderung einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wird mit ,Jetzt ist er bös der Tennenbaum` in Form einer ,interaktiven`, dialogischen Art präsentiert. Ziel der Auseinandersetzung wäre eine geschichtliche Erkenntnis, die, mit Walter Benjamin gesprochen, sich im Bild einer Waage, die einsteht, vergegenwärtigen (lässt) und deren andere mit der Erkenntnis der Gegenwart belastet ist.`1 Um ,die Waage` entdecken zu können, wird der Raum Museum als Raum des aktiven Streitgesprächs und der Mobilisierung genutzt, in welchem die Besucher nicht nur Rezipienten oder passive Konsumenten, sondern auch Akteure sind. Anhand von Spielen kann der Besucher in der Sonderwelt Museum, im konstruierten Ausstellungsnarrativ, in der Aus-Zeit von der Regel-Aktivität, eine fiktive Korrektur der Geschichte vornehmen, vielleicht aber auch eine reale Korrektur der eigenen Wahrnehmung."2
Abb. 1: "Waldheim-Pferd"
 

Foto: Jüdisches Museum Wien
Die "Begrüßung" der Besucher in diesem Ausstellungsnarrativ begann im ersten Raum mit lediglich drei Objekten: unmittelbar vor dem Eintreffen der alliierten Truppen in einem österreichischen See versenkte Adlerfüße mit Hakenkreuz, eine Szene aus dem Ein-Personen-Stück "Der Herr Karl" von Helmut Qualtinger und Carl Merz aus dem Jahr 1961 als Videoeinspielung sowie das berühmte Holzpferd, welches rund um die Kandidatur Kurt Waldheims als Bundespräsident auf Protestkundgebungen im In- und Ausland unterwegs war. In der kur-zen Videoszene erklärt der Herr Karl, dass der nach 1945 zurückgekehrte Jude Tennenbaum ihm die "Hetz" nachträgt, die er sich im März 1938 mit ihm geleistet hat, und seinen Gruß nicht erwidert. Die Reaktion des Herrn Karl verdeutlicht das spezifisch österreichische Selbstbild nach 1945 - das Thema dieser Ausstellung. Sein "Siehst, jetzt ist er bös, der Tennenbaum" hat etwas unangenehm Eindringliches, womit die Ausstellungsbesucher am Ende des Rundgangs noch einmal konfrontiert werden.

Die Spiele ...

Die interaktive, dialogische Ebene bestand aus neun Spielstationen, die vom Berliner Team "festgestalten" (www.festgestalten.net) entwickelt wurden und sämtlich reale Vorlagen haben sollten. Die Spielstationen waren zentral in den Ausstellungsräumen untergebracht und bildeten die Brücke, über welche der Besucher sich dem präsentierten Thema nähern konnte.

Hier drei Beispiele:

Spielanleitung "Schwarzer Peter":
Legen Sie die Schwarzer-Peter-Karten mit der Rückseite nach oben auf den Spieltisch. Diese erkennen Sie an den unterschiedlichen Kunstwerken auf der Rückseite (in der gelben Box befindet sich die deutsche Fassung des Spiels). Die "Spielkarten" (zu erkennen am Schwarzen Peter auf der Rückseite) werden gleichmäßig unter den teilnehmenden Spielern verteilt. Ziel des Spiels ist es, Ihr von den Nazis enteignetes Kunstwerk zurückzuerhalten. Ziehen Sie bei Ihrem Sitznachbarn eine Karte. Können Sie nun ein Pärchen, bestehend aus einem Jungen und einem Mädchen, mit dem gleichen Kunstwerk bilden, dürfen Sie dieses ablegen und die dazugehörige "Schwarzer-Peter-Karte" ziehen (das Kunstwerk auf der Rückseite der Karte muss dem Ihres Pärchens entsprechen). Können Sie die vom Schwarzen Peter gestellte Frage beantworten, geht das Kunstwerk in Ihren Besitz über, ist dies nicht der Fall, bleibt es bei seinem derzeitigen Besitzer und muss in der Box abgelegt werden. Das Spiel ist beendet, wenn alle Pärchen gebildet worden sind. Sieger des Spieles ist der Spieler mit den meisten wieder in seinen Besitz gebrachten Kunstwerken. (Der Schwarze Peter möchte z. B. die genauen Maße des Bildes wissen, er fordert die genaue Beschreibung eines Musters oder verlangt die Vorlage einer Schenkungsurkunde.)

Spielanleitung "1, 2 oder 3?":
Lesen Sie die Zitate! Entscheiden Sie sich bei jedem Zitat, welcher der drei möglichen Parteien der Autor angehört: 1, 2 oder 3?
Drücken Sie den Knopf unter dem Logo der Partei, für die Sie sich entschieden haben. Bei richtiger Wahl hören Sie eine bekannte Melodie. Verfahren Sie entsprechend bei allen 36 Zitaten.
(Als bekannte Melodie war die österreichische Bundeshymne zu hören.)

Spielanleitung "Glücksrad":
Abb. 2: Glücksrad
 

Foto: Jüdisches Museum Wien
Drehen Sie am Glücksrad! Die Öffnung gibt ein Feld frei. In diesem Feld lesen Sie eine Punktzahl und den Namen einer Person und ihr Amt während der NS-Zeit. Ihren Preis können Sie anhand des erdrehten Punktewertes ermitteln, an der Wand hängen die Gewinne. Sie erhalten für Ihr erdrehtes Amt eine neue Position in der Nachkriegszeit. Herzlichen Glückwunsch!

Spielanleitung "Mister X. 34 Gründe, nicht verurteilt zu werden":
Manövrieren Sie die Kugel durch Österreich in das Gefängnis! Der Start ist am Bodensee. Auf Ihrem Weg befinden sich Schlupflöcher, die es zu passieren gilt. An jedem Schlupfloch befindet sich ein Fähnchen mit einer Zahl und einem "Grund, nicht verurteilt zu werden". Fällt die Kugel in eines dieser Löcher, können Sie anhand der Zahl auf dem Fähnchen in einem zugehörigen Ordner am Spielfeldrand nachlesen, warum es für die zu diesem Fall genannte Person nicht zu einer Verurteilung gekommen ist. Können Sie die Kugel in das Gefängnis bringen?
Erwachsene BesucherInnen in Ausstellungen sind gewöhnt zu konsumieren. Wenn sie plötzlich etwas selbst machen sollen, irritiert das natürlich. Die VermittlerInnen haben die Besucher jede Spielstation ausprobieren lassen: Dabei stellte die allererste immer eine kleine "Hürde" dar, man musste die "Spieler" ein wenig überreden, ihnen etwa versichern, dass sie nicht ausgelacht oder gefilmt werden würden ...

Das Ausstellungsdesign ...

Der Architekt Martin Kohlbauer schreibt dazu im Katalog: "Die eigentlichen Exponate in Form von Objekten, Photos, Dokumenten etc. werden ausschließlich hinter raumhohen Verglasungen in den raumbildenden Wänden der einzelnen Bereiche integriert. Die verbleibenden Wände werden mit Zitaten aus Briefen, die persönliche Schicksale beleuchten, beschriftet. Acht Spiele analog sehr populärer Vorbilder, stellen - jeweils einem Thema zugeordnet - eine interaktive Herausforderung dar. Das Wesen der gestalterischen Konzeption beruht darauf, mit übergeordneten räumlichen Entscheidungen jedes formale Design obsolet werden zu lassen. Diese ,Raumkunst der Zurückhaltung` begegnet der inhaltlichen Bedeutung der einzelnen Exponate über konzeptionelle Zuordnung und Abwägen der verschiedenen Elemente im räumlichen Kontext. (...) Gemeinsam mit dem behutsam eingesetzten Gestaltungsmittel Licht bedeutet der pure, funktionelle Gestaltungsansatz für die Wahrnehmung des Besuchers, dass komplexe Inhalte einfach lesbar werden und ein respektvoller Umgang mit den Exponaten möglich wird."3

Die Vermittlungsangebote...

Figure 3: Mister X
 

Foto: Jüdisches Museum Wien
In der Planung und Gestaltung von Vermittlungsprogrammen gehen wir immer davon aus, dass VermittlerInnen die Ausstellung nicht mitgestalten, also keinen Einfluss nehmen auf die Art und Weise, in welcher die Inhalte präsentiert werden. Bei dieser Ausstellung wussten wir sehr früh, dass Spiele eine wichtiges Element sein würden, dass also die Ausstellung auch ohne das Zutun der Vermittlung Elemente enthält, die bei anderen Ausstellungen oder in der permanenten Schau des Museums erst von den VermittlerInnen entwickelt werden müssen. Die Frage war nun: Was werden wir da noch tun können? Läuft man nicht Gefahr, mit einem eigens konzipierten Vermittlungsprogramm die Spielebenen zuzudecken? Werden die Spiele womöglich die Aufmerksamkeit der BesucherInnen von den Inhalten ablenken? Werden die Objekte und das, was sie in der Ausstellung zu sagen haben, von "Schwarzer Peter", "1,2 oder 3?" oder "Glücksrad" übertönt? In zahlreichen Gesprächen mit dem KuratorInnen-Team konnten diese Bedenken bald zerstreut werden. Die Geburt dieser Ausstellung war ein Teamwork in bestem Sinne, wir wussten, wo etwas wie präsentiert sein würde, und konnten demnach Programme entwickeln, die ihrerseits wieder in Dialog mit der Ausstellung treten. Für jüngere SchülerInnen musste etwas gefunden werden, was die Spiele zwar nicht außer Acht lässt, den Schwerpunkt aber anders setzt und den jungen Leuten erlaubt, sich jeweils mit nur einem Detailaspekt auseinander zu setzen, der idealerweise in einer Identifikation erlaubenden Individualgeschichte erfahrbar wird.

Abb. 4: Die Stunde Null. Displaced Persons
 

Foto: Jüdisches Museum Wien
Das erste große Thema der Ausstellung, die Situation der DPs in den Jahren nach Kriegsende, wird mittels "Photoroman" präsentiert. Dazu soll eine Gruppe mit einer Auswahl von im Ausstellungsraum gezeigten Photos eine Geschichte entwickeln, die den Alltag in DP-Camps beschreibt. Der folgende "Roman" gibt davon ein gutes Beispiel.

"Die Geschichte besteht aus vierzehn Photos. Auf dem ersten sind zwei Frauen in einer kleinen Wohnung in Israel zu sehen. Während die ältere kocht, hängt die zweite die Wäsche auf. Die Frauen sind unglücklich, denn sie haben Heimweh nach Österreich. Das zweite Photo zeigt eine Versammlung von Wiener Juden, die die beiden Frauen einberufen haben. Sie erklären den Anwesenden, dass sie beschlossen haben, nach Wien zurückzukehren, weil in Wirklichkeit Österreich und nicht Israel ihre wahre Heimat sei. ,Wer kommt noch mit?', fragte die Ältere. Alle wollen mit, denn auch sie haben Heimweh nach ihrem richtigen Zuhause.
Die folgenden Photos zeigen die Reisevorbereitungen und schließlich die Reise selbst. Endlich in Österreich angekommen werden Feste und Hochzeiten und Kindergeburtstage gefeiert. Man kann wieder froh und glücklich sein, denn man ist endlich, endlich zu Hause. Das dreizehnte Photo zeigt eine Wiener Jüdin in einem Bett. Sie ist gerade aufgewacht und blickt etwas verunsichert in die Kamera. Auf dem letzten Photo schließlich ist der Eingang zum ehemaligen Rothschildspital auf dem Währinger Gürtel Nummer 99 in Wien zu sehen. Auf der Tür hängt ein Schild mit der Aufschrift ,Flüchtlingsheim`. Die Frau hat das alles nur geträumt. Sie ist nirgends zu Hause, am wenigsten in Österreich."
Zum Thema Restitution mussten SchülerInnen auf einen Brief reagieren, den das Museum an eine Dame in New York gerichtet hat:

"Sehr geehrte Frau Kantor!
Das Jüdische Museum Wien bereitet gerade eine Ausstellung vor, in der es um die Rückgabe von während der Nazi-Zeit geraubten Kunstwerken geht.
Das Bild ,Dame mit Federboa` von Gustav Klimt war ein Objekt der Kunstsammlung Ihres Vaters, der 1939 in die USA geflüchtet ist. Seine Kunstsammlung wurde beschlagnahmt und von der Gestapo an Kunsthändler und auch an Museen verkauft.
Nach einem jahrzehntelangen Streit mit den Behörden und der Republik Österreich haben Sie das Bild in den 90er Jahren restituiert bekommen. Wir möchten Sie nun fragen, ob Sie das Bild für die Laufzeit der Ausstellung dem Jüdischen Museum überlassen würden, damit wir die Geschichte der komplizierten Rückgabe in der Ausstellung erzählen können.
In Erwartung Ihrer Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen
Das Ausstellungsteam"

"Liebes Ausstellungsteam! Ich, Alice Kantor, kann Ihnen das Bild nicht überlassen, aus moralischen Gründen. Ich verbinde Wien mit sehr viel Schmerz und möchte nicht, dass mein Bild in Wien ausgestellt wird, da es Wien lange genug aufbewahren durfte.
Hochachtungsvoll Alice Kantor
(15 Jahre)"

"Sehr geehrte Damen und Herren!
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass meine Mandantin aus Angst um den erneuten Verlust ihres Bildes keine Möglichkeit sieht, Ihnen das Bild zur Verfügung zu stellen. Frau Kantor könnte sich nur vorstellen, das Bild zu leihen mit der Bedingung, dass sie während der Ausstellungszeit einen Aufenthalt in Wien finanziert bekommt, um das Bild jederzeit sehen zu können.
Ich bitte um ein Rückschreiben und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Dr. Edwin Goldmann, Anwalt
(14 Jahre)"
(Das Museum hat nicht in Form eines Briefes, sondern telefonisch bei Frau Kantor angefragt. Alice Kantor wollte die "Dame mit Federboa" dem Jüdischen Museum nicht leihen, hat uns aber erlaubt, das Kunstwerk in ihrer New Yorker Wohnung zu photographieren.)

Neben den Objekten und Spielen bildeten Wandtexte einen dritten wesentlichen Ausstellungsbestandteil. Diese Texte waren in großen Buchstaben und entsprechend beleuchtet in jedem Raum zu sehen. In ihrer Knappheit und ganz lapidar über unvorstellbare Verluste sprechend, vermittelten sie den Eindruck, dass man darauf nicht zu antworten vermag, dass man dazu ganz einfach nichts sagen kann. Trotzdem und eigentlich genau deshalb haben wir einen Text ausgesucht:

"Wien, 20. Dez. 1946
... Ich bin ehem. Häftling aus Dachau, rassisch verfolgt und gänzlich ausgeraubt. Da von einer Wiedergutmachung keine Spur ist, wir Naziopfer noch immer unberücksichtigt sind, ist die Gründung einer Existenz äußerst schwer. Fast alle unsere Angehörigen wurden von den Nazi ermordet oder vergast ..."
Die SchülerInnen sollten sich vorstellen, sie seien der Bürgermeister von Wien oder einer anderen Stadt, hätten diesen Brief bekommen und sollen darauf - als Bürgermeister - antworten:

"Herr Altmann!
Ihr Schicksal tut uns außerordentlich Leid, aber eine Unterstützung ist im Moment leider nicht möglich, da die Gemeindekasse momentan sehr belastet ist, sehen wir uns leider außerstande, Ihnen eine Unterstützung zukommen zu lassen. Außerdem muss erst geprüft werden, ob Sie die Unterstützung wirklich nötig haben. Das wird, so Leid es uns tut, einige Monate in Anspruch nehmen. Unser Prüfungsausschuss wird Sie kontaktieren, sobald die Überprüfung abgeschlossen ist.
(14 Jahre)"

"Sehr geehrter Überlebender!
Wir, die Regierung, bedauern, dass Sie gelitten haben. Sie waren eines von Millionen Opfern, unter ihnen Österreicher und Deutsche, Roma und Sinti. Wir sind leider nicht in der Lage, Ihnen und den anderen zu helfen. Sie haben genauso gelitten wie Österreicher. Bevor Sie es mit der Gründung einer Existenz in Österreich versuchen, sollten Sie es in Ihrem Geburtsland versuchen.
(16 Jahre)"

"Sehr geehrter Herr,
wir haben Ihren Brief zur Kenntnis genommen. Leider müssen wir Ihre Bitte abschlagen, denn unser Land steckt in einer finanziellen Krise. Wenn wir jedem Bürger, der uns einen ähnlichen Brief geschrieben hat, finanziell unter die Arme greifen würden, würde der Staat zu Grunde gehen.
Hochachtungsvoll Ihr Bürgermeister
(15 Jahre)"
Dem aktiven Tun der SchülerInnen in der Ausstellung geht ein gemeinsamer Rundgang voraus, bei dem die Themen und Inhalte der Ausstellung angedeutet und die einzelnen Aufgaben verteilt werden. Nach einer 30-minütigen Arbeitsphase trifft man sich zur Präsentation der "Geschichten" an den jeweiligen Standorten wieder, die VermittlerInnen moderieren und ergänzen. Bei diesem Ausstellungsspaziergang werden auch sämtliche Spiele durchprobiert, wobei die von den SchülerInnen entwickelten Geschichten im Vordergrund bleiben.

SchülerInnen der Oberstufe werden zu "Spieletestern", sie sollen in Gruppen und ganz ohne Vorinformation das Spiel in der Ausstellung ausfindig machen, es ausprobieren und den anderen "vorspielen" können. Zusätzlich muss sich jede Gruppe ein Objekt aussuchen, das sie für besonders aussagekräftig im Hinblick auf das getestete Spiel hält.

"Tennenbaum für alle", so der interne Titel, wurde konzipiert für Gruppen, die sich bei der Anmeldung für kein spezielles Programm und oft auch gar nicht für "Tennenbaum" entschieden hatten. Die SchülerInnen arbeiten einzeln oder paarweise und erhalten ein Stück Karton, auf welchem ein Photo mit einem Objekt oder einer Situation der Ausstellung zu sehen ist. Sie sollen nun das abgebildete Objekt finden und ein paar Informationen dazu aus den Beschriftungs- oder Raumtexten entnehmen, um es den anderen vorstellen zu können. Diese Objektsuche ist eine Spezialität unter den Vermittlungsangeboten, wird in der Dauerausstellung und auch in Wechselausstellungen angewandt, macht Spaß, geht schnell und ist nicht langweilig. Beim gemeinsamen Rundgang werden die Objekte in der Reihenfolge des Ausstellungsweges präsentiert.

Die VermittlerInnen ...

Wir haben den KollegInnen, die in der Ausstellung gearbeitet haben, folgende Fragen gestellt:

Nidal Bilandzic:

Wenn eine Ausstellung schon in sich interaktiv ist, wird die Arbeit leichter, denn die Vermittlung ist schon wesentlicher Teil der Ausstellung selbst. Erfahrung und Erleben wird angeboten, was die Menschen aufnahmefähiger macht für die bissigen Botschaften dieser Ausstellung. Die ganze Ausstellung habe ich als Sammlung von kritischen und sehr klaren Statements empfunden, Information war nur stützendes Beiwerk. Regelmäßig wurde spürbar, dass "Jetzt ist er bös, der Tennenbaum" selbst Ausdruck einer erbosten Haltung ist und wohltuend in dieser Offenheit. Das unterscheidet sie von vielen wissenschaftlichen Arbeiten, die unterschwellig doch ideologisch gefärbt sind.

Durch das Jubiläumsjahr ist der Inhalt dieser Ausstellung besonders prickelnd. Bei jedem Thema ist es mir wichtig, die Brücke zur persönlichen Erfahrungswelt der Schüler herzustellen, und hier war das besonders leicht, weil sehr aktuell. Die Schüler spürten das Auseinanderklaffen der medialen Aufbereitung des Jubiläumsjahres und der in der Ausstellung aufgezeigten Realitäten. Manchmal glich die Arbeit einem heftigen, aber wohltuenden Wachrütteln sehr behüteter Teenager. Zweimal stieß ich auf heftigen Widerstand seitens erwachsener Besucher, aber in der Überzahl waren die Menschen interessiert und geradezu erleichtert, diese kritischen Beiträge endlich auch einmal schonungslos aufbereitet zu bekommen. Dem Museum wurde häufig Respekt gezollt. Die Schüler waren sehr empfänglich für die Thematik, reagierten meist erstaunt und bewegt und natürlich waren sie sehr dankbar für die Art der Vermittlung durch Spiele. Einmal machte eine Klasse für die Mitschüler der Parallelklasse, die mit einem anderen Programm beschäftigt gewesen waren, die ganze Präsentation noch einmal, und das ohne Aufsicht oder Aufforderung seitens der Lehrer oder der Guides. Das war für mich ein berührender Beweis dafür, wie sehr meine Vermittlung auf fruchtbaren Boden gefallen war.

Als Guide mit Widerstand konfrontiert zu sein ist immer schockierend, denn meistens kommen Proteste ganz plötzlich in Form von Angriffen. Für mich steckt aber hier der besondere Reiz, weil ich nicht nur Arbeit für ohnedies schon aufgeklärte Menschen machen will. Die Konfrontationen machten auch die Brisanz der Thematik noch deutlicher. Die Problematik fand dadurch unmittelbar vor den Augen der Besucher statt. Eigentlich kann nichts Besseres passieren, denn man hat die Chance, noch mehr auf den Punkt zu kommen und noch klarer zu definieren, worum es in der Arbeit geht - nämlich nicht, wie sehr oft erwartet wird, die eine ideologische Brille durch eine andere Propaganda zu ersetzten, sondern Bewusstseinsarbeit zu leisten, auch wenn sie manchmal unangenehm sein mag. Von den drei Vermittlungsangeboten habe ich "Spieletester" wirklich oft gemacht. Das war sehr einfach zu handhaben, und lenkte die Konzentration hin auf die zentrale Aussage der Spiele und Räume, sofern die Schüler ihre Spielphase überwinden konnten, um zu erkennen, wieviel dahinter steckt. Das Tun und Ausprobieren war manchmal krampflösend.

Hannes Gellner:

Aus meiner Sicht musste eine Ausstellung, die so viel Sprengstoff in sich birgt, zwangsläufig mit einer besonderen Präsentationsform aufwarten. Die einfallsreiche und liebevolle Gestaltung der Ausstellung erlaubte dann auch einen spielerischen Zugang, der den jugendlichen Besucher/innen sichtlich Spaß machte. Über die Verwendung vertrauter Dispositive wurde die Hemmschwelle, sich mit zeitgeschichtlichen Themen zu befassen, abgebaut und den Jugendlichen das selbstständige Erforschen komplexer Zusammenhänge erleichtert. So ist es gelungen, die Kontinuität(en), die aus dem Dritten Reich in die Zweite Republik hereinreichen, die mangelhafte Vergangenheitsbewältigung durch das offizielle Österreich und den skandalösen Umgang mit Rehabilitationsfragen und Restituierungen verständlich zu vermitteln. Ich war über den Eifer der Teilnehmer/innen, einen Themenschwerpunkt auszuarbeiten und den anderen zu präsentieren, sehr positiv überrascht und bin überzeugt, dass die Grundlage für diesen jugendlichen Enthusiasmus im gelungenen Ausstellungskonzept liegt. Die Jugendlichen reagierten durchwegs positiv, auch Gruppen von Studenten/innen beteiligten sich mit großer Begeisterung an der Ausarbeitung der Themen. Einziger Wermutstropfen: Ausländische Touristen/innen über 50 reagierten teilweise verstört auf die spielerische Präsentation eines so ernsten Themas, es stand ihnen auch nur eine sehr rudimentäre englischsprachige Erklärung der Ausstellung zur Verfügung.

Ich freute mich, Zeuge eines unmittelbaren Erfolgserlebnisses zu werden, wenn die Jugendlichen die Ergebnisse ihrer kurzen Forschungsarbeit den anderen präsentierten. Die Vermittlung der historischen Fakten wurde mir durch die perfekt durchdachte Präsentation der Dokumente in drei komplementären Ebenen erleichtert (Spiele; Objekte und Schriftstücke; Zitate an den Wänden). Die begeisterten Reaktionen einiger Schüler/innen und Lehrer/innen scheinen dem Kuratoren/innenteam Recht zu geben: eine großartige Ausstellung, die ruhig ein paar Wochen länger hätte gezeigt werden können!

Tanja Fuchs:

Die Ausstellung "Jetzt ist er bös, der Tennenbaum" erforderte meines Erachtens eine besonders sensible und vorsichtige Herangehensweise in der Vermittlungsarbeit. Als sehr wichtig erwies sich das Abtasten des Wissensstandes und der persönlichen Erfahrungen der BesucherInnen, um Schwerpunkte setzen zu können. Bis auf wenige Ausnahmen reagierten die BesucherInnen sehr positiv. Sowohl die thematisch gute Aufbereitung als auch die Umsetzung mittels Spielen ernteten dabei großes Lob. Bei älteren BesucherInnen war anfänglich oft Skepsis spürbar, die aber meist verflog - vermutlich, weil erwartete persönliche Angriffe ausblieben. SchülerInnen hingegen zeigten sich oft inhaltlich überrascht und durchwegs fasziniert von der spielerischen Umsetzung. Ich empfand die Arbeit in der Ausstellung als spannende Herausforderung und sehe in den diversen Diskussionen kleine, aber wichtige Schritte in Richtung Aufklärung und Abbau von Vorurteilen. Die Vermittlungsprogramme waren wie immer gut durchdacht und leicht anzuwenden. Flexibilität und kreative Kombination der Vermittlungselemente waren jedoch bisweilen unumgänglich.

Ruth Rosenkranz:

Die SchülerInnen konnten die Objekte z. T. selbst "ausprobieren" (spielen ...). Das hat sie sehr zum Mitmachen motiviert. Besonders ältere SchülerInnen konnten die emotionale Seite der dargestellten Begebenheiten nachvollziehen. Die Reaktionen der Besucher waren größtenteils sehr positiv, nur sehr selten wurde angemerkt, dass die Darstellung übertrieben oder einseitig sei. Erwachsene, besonders ältere Leute fühlten sich zum Teil persönlich betroffen, manchmal sogar angegriffen und suchten nach Erklärungen. Für die jungen Leute ist es schon "Geschichte", sehr weit weg. Man kann darüber lachen, fühlt sich nicht direkt betroffen. Durch Betonung, dass es um Tatsachendarstellung und nicht um Vorwurf geht, konnten längere Diskussionen hintangehalten werden. Mit vielen Besuchern/innen kam es zu interessanten Unterhaltungen.

Von insgesamt 15.194 BesucherInnen, die das Jüdische Museum zwischen dem 20. April und dem 4. Juli 2005 besucht und die Ausstellung "Jetzt ist er bös, der Tennenbaum" gesehen haben, wurden 1.548 SchülerInnen im Rahmen der beschriebenen Vermittlungsprogramme betreut. Sehr viele LehrerInnen waren dankbar für die kritische Auseinandersetzung mit jenen "neuralgischen" Punkten der Vergangenheit. Viele meinten, es sei sicher zu schwierig, die SchülerInnen seien zu jung für eine entsprechende Auseinandersetzung. Manchen war es "einfach zu politisch", man wollte lieber etwas über die jüdischen Feiertage machen, etwas "Folkloristisches" (O-Ton!) eben. Ein Kollege schickte uns Folgendes per Email: (...)

"Mir haben die pädagogischen Gestaltungen der einzelnen Räume sehr gut gefallen, besonders auch, dass die Kids selbstständig die einzelnen Stationen erstellen. Nach dem Besuch waren meine Schüler und ich selbst ziemlich niedergeschlagen von all den erdrückenden Infos über den Antisemitismus, der sich auch in der II. Republik leider bis heute immer noch zeigt. Diese Bedrücktheit nach dem Besuch des Museums ist m. E. pädagogisch sehr wichtig und daher auch richtig. Abgesehen davon glaube ich jedoch, dass die Ausstellung zumindest ansatzweise versuchen sollte, auch Versöhnungsversuche und die Schuldeingeständnisse des offiziellen Österreichs der letzten Jahre und/oder die neuen Entschädigungsfonds auch darzustellen. Insbesondere das Schuldeingeständnis der österreichischen Bundesregierung würde den dargestellten Facts auch Gewicht verleihen. Das würde aber auch ein wenig jenes Österreich mitberücksichtigen, das sich für ein vorurteilsfreieres Österreich und gegen den Antisemitismus einsetzt, der leider immer noch zu oft salonfähig ist. Aber so wie die Ausstellung nun ist, empfinde ich sie als zu einseitig polarisierend, nicht up-to-date, da sie keine positiven Perspektiven heute oder für die Zukunft zeigt."

Der Setzkasten ...

Die letzte Station der Ausstellung bildete ein Setzkasten, in dem kleine Figuren, Geschirr und Krimskrams präsentiert wurden, wie man sie zu Hause als Erinnerungsstück an eine Person, ein Erlebnis oder eine Reise im Setzkasten stehen hat. In einem kurzen Text oberhalb des Setzkastens bedankte sich das Ausstellungsteam bei den BesucherInnen für ihr Interesse und lud sie ein, sich als Erinnerung ein Stück aus dem Setzkasten mitzunehmen, räumte jedoch ein, dass die Provenienz der aus den 20er und 30er Jahren stammenden Objekte nicht immer geklärt sei ...

Abb. 5: Setzkasten
 

Foto: Jüdisches Museum Wien
Bereits am Tag nach der Eröffnung fehlten 19 Objekte aus dem Setzkasten. Im Lauf der Ausstellung musste immer wieder in Altwarenläden oder auf dem Flohmarkt Nachschub organisiert werden. Damit hatten wir nicht gerechnet! Wir hatten uns ein trickreiches Prozedere überlegt, wie wir junge AusstellungsbesucherInnen daran hindern, diesen Setzkasten leer zu räumen oder die kleinen Figuren in der Ausstellung zu verstecken, mit den erwachsenen Besucher/innen hatten wir aber nicht gerechnet ...

Gegenüber Schulklassen wurde die Setzkasten-Station immer dahin gehend aufgelöst, dass wir miteinander diskutiert haben, warum BesucherInnen sich etwas mitnehmen, obwohl sie der Text darüber aufklärt, dass wir nicht wissen, woher diese Gegenstände stammen, dass sie also womöglich einmal einer jüdischen Familie gehört haben. Ein Student meinte dazu:

"Wenn da jemand etwas rausnimmt, kann man nur sagen, er hat es nicht kapiert. Bitte zurück an den Start und die ganze Ausstellung noch einmal anschauen!"
Ein Kollege der Museumsaufsicht dazu:

"Im Laufe der Ausstellung bin ich öfter gefragt worden, ob man ein Objekt (aus dem Setzkasten) mitnehmen darf. Die Besucher haben die Erklärung bekommen, die Beschriftung noch einmal zu lesen und zu 80Prozent hat sich die Frage gelöst: Die Objekte sind liegen geblieben. In manchen Fällen, trotz meiner Erklärung, wurde ein Objekt mitgenommen. Einmal haben Besucher das Museum beschuldigt, dass es sich getraut hat, so eine Beschriftung zu machen. Man bietet einerseits an, etwas mitnehmen zu dürfen, andererseits deutet man an, dass es vielleicht ,arisiert` wurde. Allerdings hat das Pärchen trotz heißer Diskussion ein Objekt mitgenommen." (L. P.)
Eine Besucherin schickte uns per Email Folgendes:

"Ich bin mir nicht sicher, ob der Setzkasten, der den Gang beendet, inszeniert fast leer war oder ob tatsächlich so viele Besucher sich ein kleines Geschenk gegönnt haben. Selbst überflog ich den Hinweis des Teams ganz kurz und nahm mir dann eine kleine Schmuckdose, machte fünf Minuten später wieder kehrt und legte sie zurück. So lange hat es gedauert, bis mir mit einer ziemlichen Heftigkeit die Bedeutung dessen, was ich gerade getan hatte, bewusst wurde, und seitdem lässt es mich nicht mehr los. Jeder Herr Karl hätte gehandelt wie ich. (...) Ich kann nur hoffen, dass der Besuch der Ausstellung ähnlich zermürbend auf andere Besucher gewirkt hat, denn ich glaube, dass es wenig Menschen gibt, die nach dem Besuch ein ähnlich reines Gewissen haben sollten wie vorher. Die Konzeption war außergewöhnlich, effektiv und schmerzhaft angelegt. (...)"

Die BesucherInnen ...

21.4.

Ganz großes Lob für die Ausstellung. Eine großartige Zusammenstellung verschiedenster markanter Details der österreichischen Geschichte seit 1945. Österreich ist, wenn es richtig weh tut.

Durch diese Ausstellung zu gehen ist nicht so leicht wie die sonstigen Museumsbesuche. Man muss sich viel Zeit nehmen, sich sehr stark konzentrieren. Aber dann gibt es relativ entspannende Passagen wie das "Glücksrad", das "Parteienquiz" und das Holzpferd von 1986. Besonders wertvoll und informativ der Abschnitt über die DP-Camps. Eine ganz großartige Ausstellung.

1.5.

The Tennenbaum show is first class! Mazel tov for all who produced it. It's a fascinating story, needs wider distribution.

The exhibit of Austrian thoughts and behavior since 1945 was interesting but all this went on long before as well why is there still a Dr. Karl Lueger Ring?

9.5.

Die Ausstellung vermittelt Geschichte und Wissen, unbequem, zum kritischen Nachdenken anregend.

Lots of good material, some very important insights into post-war years. We admire the courage of the curator of the Tennenbaum exhibit. Thank you.

A truly honest museum that I am sure most Austrians will avoid.

Ich mag das Museum, weil es die Wahrheit zeigt und weil es still ist. (13 Jahre)

18.5.

Zur Tennenbaum-Ausstellung: Herzliche Gratulation. Inhaltlich hervorragend und mutig. Das Experiment mit den Spielen ist hervorragend gelungen (...)

Schön in Wien zu sein, aber mir ist ganz schlecht. Gut zu wissen, woher wir kommen, wenn's auch schmerzt.

26.5.

Eine ausgezeichnete Ausstellung, sehr informativ und klar. Gerade die Verbreitung dieser Wahrheiten verdient große Unterstützung.

Eine der schönsten und bewegendsten Ausstellungen, die ich besucht habe. Danke für die sensible Aufarbeitung unser aller Geschichte.

30.5.

Mit der Tennenbaum Ausstellung hat das Jüdische Museum meiner Meinung nach eine großartige Ausstellung installiert. Es ist wichtig für heutige und zukünftige Generationen zu erkennen, wie Österreich, die Menschen, Politiker und "Führer" mit der Nazi-Periode umgehen, wie sie diese verarbeitet haben (!) und welche Lehren sie ziehen.

Zur Tennenbaum-Ausstellung: Es kann einem nur übel werden, wie man nach 1945 mit Juden verfahren hat. Die Österreicher sind es nicht wert, dass Juden in diesem Land leben und zu seinem Wohl beitragen.

3.6.

Die Ethik-Gruppe der "Sir Karl Popper Schule" am Wiedner Gürtel war hier und hat eine ansprechende Führung durch Frau Tanja genossen. Wir waren sehr beeindruckt, wie spielerisch leicht mit der Thematik umgegangen werden kann, ohne den Ernst dahinter zu vergessen. Subtile Kritik, Sensibilisierung, Bewusstmachen von Fehlern der Vergangenheit - intelligent gestaltet und präsentiert. Vielen Dank für die Tennenbaum-Ausstellung.

6.6.

Leider gibt es noch heute eine große Menge Menschen, die diese Wahrheiten nicht glauben wollen.

Warum ist diese Ausstellung nur so kurz zu sehen? Gerade im Sommer könnten auch die Österreicher aus den Bundesländern kommen. Schade! Trotzdem Danke für die von den Kuratoren geleistete Arbeit.

26.6.

Wir sind sehr froh, dass wir uns die Ausstellung gerade vor dem Hintergrund des offiziellen Gedankenjahres 2005 noch angesehen haben. Teilweise fürchterlich und schlimm, dass vieles noch gar nicht lang zurückliegt. Glückwunsch für die Kuratoren. Aufklärung.

Als Enkel von Ludwig Tennenbaum (gestorben 1923 - Generaldirektor der Neusiedler Papierfabrik AG) war die Ausstellung ein Muss.

Eine wirklich hervorragende Ausstellung! Sie hätte noch aggressiver sein dürfen, aber auch so lässt sie an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. DIESMAL BITTE: AUFHEBEN! Oder in ein anderes Medium verwandeln und im Foyer einsehbar erhalten.

Als so genannter Zeitzeuge war ich von der Ausstellung zutiefst beeindruckt und möchte Ihnen meine Bewunderung für objektive und wahrheitsgetreue Darstellung der vergangenen Vorkommnisse zum Ausdruck bringen. Am meisten war ich aber betroffen, dass ich noch nie vorher in diesem Museum war, in welchem meine eigenen Erlebnisse so adäquat geschildert sind.

3.7.

Tennenbaum is an excellent exhibit. It's a shame it wont be open longer. Thank you too, to the very good guide for his well done tours.

Tennenbaum müsste eine Gedankenjahr-Jahresausstellung sein, mindestens. Schade, eine verpasste Chance für viele Österreicher und Besucher Wiens.

(Die Einträge stammen aus dem Besucherbuch des Jüdischen Museums Wien)


1Walter Benjamin: Gesammelte Schriften, Bd.II/1. Frankfurt/Main 1972 ff., S. 585
2Ausstellungskatalog "Jetzt ist er bös, der Tennenbaum". Die Zweite Republik und ihre Juden, hrsg. von Felicitas Heimann-Jelinek im Auftrag des Jüdischen Museums Wien, Wien 2005 , S. 10, 11.
3Ausstellungskatalog: Jetzt ist er bös der Tennenbaum. Die Zweite Republik und ihre Juden, hrsg. von Felicitas Heimann-Jelinek im Auftrag des Jüdischen Museums Wien, Wien 2005, S.12, 13.