1/2002

September 2002

Editorial


Das große Tabu!
Historiker-Kontroversen in Österreich nach 1945 über die nationale Vergangenheit.

Georg Christoph
Berger Waldenegg

Beitrag

Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit Historikerkontroversen in Österreich nach 1945. Nach grundsätzlichen Darlegungen zur Entwicklung der Zeitgeschichtsforschung wird deren bis heute anhaltende Politisierung als eines ihrer Charakteristika untersucht und gezeigt, warum sich die zeitgeschichtlichen Debatten bis vor nicht langer Zeit vorwiegend mit der Epoche der Ersten Republik beschäftigt haben. Schließlich werden Grundzüge dieser Debatten skizziert und analysiert: die Debatte über die Verantwortlichen für die innenpolitische Wende von 1933/1934, die Frage nach dem vermeintlich faschistischen Charakter des so genannten "Ständestaates", die Diskussion über die politische bzw. moralische Notwendigkeit eines Widerstandes gegen den "Anschluss" 1938 sowie die Auseinandersetzungen über die Einstellung der Bevölkerung und von Regierungskreisen gegenüber demselben. Dabei zeigt sich, dass es - wie nicht zuletzt auch in Deutschland - bei all diesen Debatten immer auch um die Frage der Bewältigung der Vergangenheit geht.

 

Führer dank eines imaginierten "Volkes". 
Beitrag zu Karl Luegers Habitus.

Zoltán Péter

Beitrag

Eine Untersuchung, die an die Feldtheorie anknüpft, stellt sich methodisch zwischen das, was eine so genannte werkimmanente Methode über ein kulturelles Produkt (wie zum Beispiel ein politisches Programm oder einen Roman) hervorbringt, und das, was die andere, ihr entgegengesetzte Methode vermag, die die Aussagen des Werks eins zu eins mit bestimmten Eigenschaften des Autors verbindet bzw. einem allgemeinen gesellschaftlichen Kontext unterordnet. Der Sinn der vorliegenden Studie liegt, über die Absicht zum Entwurf eines sozialwissenschaftlichen Untersuchungsmodells hinaus, darin, dass der herangezogene Akteur (der Wiener Bürgermeister Karl Lueger) seinerzeit eine Wissens- bzw. Praxisform durchsetzen konnte, die ihn berühmt machte; und vor allem darin, dass seine Berühmtheit bis in unseren Tage hinein wirkt, also dem "Raum des Möglichen" (Bourdieu), dem, was nach Lueger in der österreichischen Politik sagbar und machbar wurde und zum Teil noch ist, angehört.

 

"Unser Alpenverein will und soll kein politischer Verein sein ..."
Der "Deutsche und Österreichische Alpenverein" und der Erste Weltkrieg

Kurt 
Scharr

Beitrag

Anhand der Vereinsmedien des "Deutschen und Österreichischen Alpenvereins" und des Materials des Innsbrucker Alpenvereinsarchivs zeigt dieser Beitrag, wie sehr sich die Politisierung des D.u.Oe.A.V., der als bürgerliche Massenorganisation schon vor 1914 deutschnationale und zunehmend völkisch argumentierende Positionen mitgetragen hatte, unter den Rahmenbedingungen und im Nachklang des Ersten Weltkriegs intensivierte und radikalisierte. Die Militarisierung des Alpinismus im Gebirgskrieg gegen Italien, die "Hüttenfrage" nach den Gebietsabtretungen nach 1918, die Verlegung des Vereinssitzes von Wien nach München und die personelle Verknüpfung von Vereinsführung und Politik prägten die politische Entwicklung des Vereins.

 

  Zur Nachahmung empfohlen?
Eine Düsseldorfer Absolventeninitiative im Studienfach Geschichte.

Christoph Roolf

Beitrag

Dieser Beitrag ist  geichermaßen Beschreibung und Bilanz einer Initiative von Geschichtsabsolventen an der Universität Düsseldorf in den Jahren 1999 und 2000. Ziel dieser "Düsseldorfer Geschichtsabsolventenkongresse", aus denen zwei Tagungsbände entstanden, war es, junge Nachwuchswissenschafter/innen in ein wissenschaftliches Fachgespräch einzubinden. Neben der Präsentation dieser Initiative gibt Roolf einen Überblick über die an deutschen Universitäten laufenden Projekte zur Berufsqualifizierung und Einbindung in die historische Forschungslandschaft.





"Geschichte und Internet"

Der Versuch, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen!
Einblicke in die Werkstatt der Dissertation "Zeitgeschichte und Internet"

Wolfram Dornik

Beitrag

Was bringt uns Zeithistoriker/innen denn das Internet überhaupt? Dieser Beitrag versucht Einblick in den aktuellen Arbeitsstand der Dissertation von Dornik zu gegeben, die vor allem dieser Frage nachgeht. Das Ziel ist es einige Fragen aufzuwerfen, die noch nicht gestellt oder noch nicht ausreichend diskutiert wurden. Diese sind quellentheoretischer, methodischer, aber auch praktischer Natur. So ist es von besonderem Interesse, einen Überblick über die Änderungen der Arbeitsweisen und Möglichkeiten bei der Darstellung von Zeitgeschichte mit diesem neuen Medium zu geben. Dazu wird nicht nur auf medientheoretische Ansätze zurückgegriffen, sondern auch versucht, möglichst viel Input aus der Internet-Praxis zu sammeln. Zum Zweck der Ordnungsbildung wird eine Typologie des zeithistorischen Contents im Netz erstellt. In diesem Sinne soll die Arbeit ein Beitrag zur Herausbildung von Normen im Rahmen der zeithistorischen Cyberkultur sein.

 

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