1/2005

Dezember 2005

2005 als museale Inszenierung - eine Erfolgsstory?

Ein Blick hinter die Kulissen der Ausstellungen zum Staatsvertragsjubiläum

Das österreichische Jubiläumsjahr 2005 ist offenkundig zu einer Erfolgsstory geworden: Das Kalkül der offiziellen Gedächtnispolitik scheint aufgegangen zu sein, die Inszenierung des Staatsvertragsjubiläums - die anderen historischen Bezugspunkte 1945 bzw. 1995 sind deutlich im Hintergrund geblieben - haben jene patriotischen Jubelfeiern evoziert, die Kritiker bereits im Vorfeld befürchtet haben. Der Nachkriegsmythos vom Freiheitskampf eines kleinen Volkes gegen übermächtige Kräfte, die Darstellung der Zweiten Republik als Erfolgsstory hat sich als re-inszenierbar erwiesen. Kritische Stimmen, die vor allem in der Anfangsphase medial präsent waren, fanden über das Jahr betrachtet nur wenig Resonanz. In unzähligen Berichten und vor allem Bildern wurde der Gedächtnisort Staatsvertrag - untrennbar verknüpft mit Leopold Figls "Österreich ist frei" - im öffentlich-kollektiven Bewusstsein verankert.

Den musealen Inszenierungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Museen sind jene Orte, in denen sich die vielstimmigen Geschichtserzählungen, die im öffentlichen Kommunikationsraum zirkulieren, zu einer Geschichte, einem Narrativ verdichten, in denen sich die offiziellen Sichtweisen, aber auch Gegenerzählungen komprimiert auffinden lassen. Die performativen Logiken des Formats Ausstellung geben somit einen besonders aussagekräftigen Einblick in das kulturelle Gedächtnis eines Kollektivs. Diese Überlegungen bilden den Ausgangspunkt für eine Ausgabe des eForum zeitGeschichte, die sich mit der Frage der musealen Repräsentationen im Jubiläumsjahr 2005 beschäftigt.

Anhand von drei zentralen Ausstellungen soll der Frage nach der Durchsetzung historischer Narrative mittels Ausstellungen nachgegangen werden. Im Blickfeld steht dabei besonders die Ebene der Vermittlungspersonen, die einerseits die Rolle der Beobachter/innen einnehmen und andererseits die von den Ausstellungsinitiatoren/innen und -gestalter/innen vorgegebenen Narrative vermitteln sollen. Sie sind somit sowohl Produzenten/innen des Narrativs wie auch unmittelbare Beobachter/innen der Rezipienten/innen. Aus dieser Position heraus können sie über das Gelingen oder das Scheitern der angebotenen Erzählungen berichten. Ihr spezifischer Standort ermöglicht es, kritisch Bilanz über Erfahrungen - zwischen Intention, Realisierung und Rezeption der Ausstellung - zu ziehen.

Heidemarie Uhl /
eForum zeitGeschichte

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Impulstext:
2005 als museale Inszenierung - eine Erfolgsstory?
Ein Blick hinter die Kulissen der Ausstellungen zum Staatsvertragsjubiläum


 

"Das neue Österreich"

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