2/2001

Juni 2001

Editorial


Denk-Orte: ein Dorf reflektiert sein Gedächtnis

Bernhard Ecker
Ernst Langthaler
Martin Neubauer

Beitrag

Der Artikel behandelt individuelle und kollektive Gedächtnisprozesse in einer niederösterreichischen Dorfgesellschaft. Eine CD, auf der lebensgeschichtliche Erinnerungen von DorfbewohnerInnen an die Zeit der 1930er, 1940er und 1950er Jahre zu hören sind, bildet den Anlaß für eine kontroverse Diskussion zwischen Forschern und Beforschten. Eine genaue Analyse dieses Gesprächs zeigt, unter welchen mikro- und makrogesellschaftlichen Bedingungen Akteure auf dem Gang durch die symbolische Landschaft des Gedächtnisses individuelle und kollektive Identitäten herstellen, also reproduzieren oder transformieren. Die Intervention der Forscher veranlaßt die Beforschten dazu, mächtige Geschichtsbilder, vor allem über die Zeit des Nationalsozialismus, zu rechtfertigen, zu hinterfragen, zu kritisieren - kurz, ihr Gedächtnis zu reflektieren.

 

Ein Stück Nicht-Zeit in der Zeit
Historische Ausstellungen als Foren von Öffentlichkeit

Anna
Schober

Beitrag

Der Artikel befragt historische Ausstellungen als Möglichkeitsräume und als Bereiche, in denen eine je örtlich und zeitlich spezifische Zensur des Ortes herrscht. Dabei wird vom historischen Objekt ausgegangen, verstanden sowohl als Studienobjekt der Geschichtswissenschaft als auch als affektives Objekt, das immer wieder auf unterschiedliche Weise seinen Betrachter einnehmen und so zum Erinnerungsobjekt werden kann. Ausstellungen werden daher auch als Foren der Moderne und Postmoderne thematisiert, die Menschen zusammen- und auseinanderbringen, als öffentliche Erscheinungsräume, wie Hannah Arendt sie genannt hat.

 

Ein Versuch, Konzepte der Hybridität auf Quellen zum österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaat anzuwenden: das Kronprinzenwerk

Peter Karoshi

Beitrag

Die Pluralitäten und Heterogenitäten des habsburgischen Vielvölkerstaates wurden oft unter dem vereinnahmenden und zuschreibenden Begriff des "multikulturellen Zusammenlebens" verschiedener Kulturen (Sprachen, Ethnien etc.) betrachtet. Postkoloniale Konzepte wie jenes der hybriden Form solcher Aufeinandertreffen legen jedoch eher Wert auf die differenzierenden Momente, erfassen also erstens reale lebensweltliche Erfahrungen besser und eröffnen zweitens neue Perspektiven, die unter einem sogenannten Multikulturalismus unberücksichtigt geblieben sind. Es stellt sich die Frage, inwieweit solche Erfahrungen tatsächlich an eine koloniale Vergangenheit gebunden sind und ob sie nicht schon z.B. in der habsburgischen Monarchie (unbewußt) reflektiert wurden.

 
 
 

"Geschichte und Internet"

Fachzeitschriften für Historiker im Internet:
Ein sicherlich unvollständiger Überblick

Stefan Blaschke

Beitrag

Der Artikel beschäftigt sich mit historischen Fachzeitschriften im Internet. Im ersten Teil wird das seit 1997 existierende Online-Verzeichnis für Zeitschriften und Mailinglisten der Geschichtswissenschaft, "The History Journals Guide", vorgestellt. Dabei wird auf seine Geschichte und Zielsetzung eingegangen. Im zweiten Teil stehen andere Internet-Projekte im Mittelpunkt der Betrachtung. Dazu gehören erstens Dienste, die Inhaltsverzeichnisse oder elektronische Parallelausgaben von gedruckten Zeitschriften bereitstellen. Zweitens werden elektronische Zeitschriften, die speziell für Zeithistoriker von Interesse sind oder sein können, kurz präsentiert.

 

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