3/4 2001

Dezember 2001

Editorial


5. Österreichischer Zeitgeschichtetag 2001
4. - 6. Oktober 2001 in Klagenfurt
Demokratie - Zivilgesellschaft - Menschenrechte

Werner Suppanz 

Beitrag

Mit seinem Generalthema "Demokratie - Zivilgesellschaft - Menschenrechte" griff der Österreichische Zeitgeschichtetag 2001 eine aus innen- und weltpolitischen Gründen äußerst aktuelle und relevante Fragestellung auf. Die konkrete Umsetzung dieser Problematik lässt sich allerdings in Anbetracht der geringen Kohärenz und des weitgehenden Fehlens Demokratietheorie-geleiteter Beiträge insgesamt als unbefriedigend bewerten. In ihrem Programm wies die Tagung eine nicht explizit diskutierte Weichenstellung vor allem zeitlicher Art auf, die "Zeitgeschichte" als die Epoche seit dem Nationalsozialismus definiert. Aktuelle Grundsatzfragen griffen insbesondere jene Panels auf, die sich - wie "Perspektivierung der Zweiten Republik" - mit der Konstruktivismus-Debatte oder - wie "Zeitgeschichte und Öffentlichkeit" - mit der Positionierung der Zeitgeschichtsforschung in der Gesellschaft befassten.

 

"Es ging mehr um den persönlichen Wert..."
Der NS-Kunstraub im Kontext kultureller Auslöschungspolitik

Birgit Kirchmayr

Beitrag

Der materielle Aspekt, der die Restitutions- bzw. Entschädigungsdebatte dominiert, wird der speziellen Rolle, die der NS-Kunstraub innerhalb des "allgemeinen" Enteignungskomplexes einnahm, nicht gerecht. Ein Kunstgegenstand hat für die BesitzerInnen oftmals einen besonderen persönlichen und emotionalen Wert und trägt damit wesentlich zu einem Bewußtsein kultureller Identität bei. Es stellt sich die Frage, inwieweit diese Überlegung bewußt eingesetzt wurde und welche Rolle hier die Idee der Zerstörung der kulturellen Identität einnahm. Dominierte das "Nehmen-Wollen" vor dem "Haben-Wollen"? Muß der Kunstraub als Beitrag zur kulturellen Zerstörung der jüdischen Bevölkerung als ein Schritt oder eine Stufe in der NS-Vernichtungspolitik betrachtet werden?

 

Anregungen für eine Regionalgeschichte zur Thematik Nationalsozialismus vor 1938
am Beispiel des Bezirkes Deutschlandsberg

Gerald M. Wolf

Beitrag

Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus vor dem "Anschluss" 1938 ist in den einzelnen österreichischen Bundesländern, besonders aber in der Steiermark, noch immer als ungenügend zu bezeichnen. In diesem Zusammenhang mangelt es vor allem an fundierten regionalgeschichtlichen Arbeiten bezüglich dieser Thematik. Im vorliegenden Aufsatz, der einen kurzen Überblick über die NSDAP im südweststeirischen Bezirk Deutschlandsberg von ihren Anfängen bis zum gescheiterten nationalsozialistischen Umsturzversuch im Juli 1934 gibt, soll daher aufgezeigt werden, wie eine dementsprechende Regionalgeschichte aussehen könnte, und solcherart zur weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik angeregt werden.

 

"Sie wurden durchwegs gut behandelt"?
NS-SklavenarbeiterInnen im Kollektiven Gedächtnis der II. Republik

Wolfram Dornik

Beitrag

Mit dem in der Überschrift zitierten Satz, der aus einer Chronik eines kleinen steirischen Ortes stammt, kann die Stellung der ZwangsarbeiterInnen des Nationalsozialismus im Kollektiven Gedächtnis der ÖsterreicherInnen auf den Punkt gebracht werden. Nur wenig Verständnis wird nach 1945 für die über eine Million ZwangsarbeiterInnen, die auf dem Gebiet von Österreich während der NS-Diktatur eingesetzt waren, aufgebracht. Wenige gestehen den Geschundenen nach mehr als einem halben Jahrhundert symbolische Leistungen, wie eine Entschädigung oder ein Denkmal, zu. Meist werden dagegen fadenscheinige Argumente vorgebracht oder die Realität einfach ignoriert. Die Analyse, auf der der folgende Aufsatz beruht, wurde an verschiedenen Denkmälern, über hundert Regionalchroniken, der Entschädigungsdebatte in österreichischen Tageszeitungen und einer Umfrage unter SchülerInnen von steirischen Schulen vorgenommen.

 

"...daran zugrunde gegangen, daß sie Tagespolitik treiben wollte"?
Die „(Tiroler) Soldaten-Zeitung" 1915-1917

 
Roman Urbaner

Beitrag

Mit der "(Tiroler) Soldatenzeitung" erschien von Juni 1915 bis April 1917 eine vom Militär herausgegebene Zeitung, die die österr.-ungar. Truppen an der Südwest-Front mit patriotischem Lesestoff versorgen sollte. Die Ausgestaltung, die die seit Mitte 1916 von Robert Musil geleitete Soldatenzeitung erfuhr, spiegelt die wachsende Bedeutung moderner Manipulationsmittel für Kriegsführung und Politik wider. Die Neubestimmung ihrer Aufgaben, die - parallel zu den politischen Ambitionen des Militärs - weit über die umittelbare Kriegsführung hinausreichten, läßt sich als Suche nach den Einsatzmöglichkeiten und der geeignetsten Form eines moderen Agitationsblattes interpretieren. 

 

'Passive grumbling, rather than resisting'
The 'Special Operations Executive' (SOE) in Austria 1940-1945
First results of a research on the newly released Austrian SOE files of the Public Record Office Kew

 
Gerald Steinacher

Beitrag

Britain's reaction to the Anschluss of Austria in March 1938 was not protest but secret action. Winston Churchill ordered in consequence the creation of an instrument for covert warfare, which was to become the 'Special Operations Executive' (SOE). The SOE saw Austria as a wartime tool that could be used to weaken Germany from 'inside'. SOE-expectations up to 1943 that all-out resistance would take place in Austria proved to be totally unrealistic. The Moscow Declaration in November 1943 was a great boost for the morale of Austrian patriots. Following this declaration broad scale Allied plans for post-war Austria finally began and a massive BBC propaganda campaign was launched. But nevertheless the Austrian Resistance Movement could never achieve military resistance to a broad extent. Partisans could be found only in connection with territorial conflicts: the Slovene partisan groups in Southern Carinthia and the Austrian resistance groups in the Italian province of Bolzano (Südtirol). The 28 SOE-missions sent to Austria brought total disillussion: The attempt to stir up military resistance by declarations promising independence and better treatment in exchange of resistance finally proved to be a failure. 

 

"Geschichte und Internet"

Geschichtswissenschaft, Fachinformation und das Internet

Wilfried Enderle

Beitrag

Mit dem Internet als neuem Publikationsmedium sind viele Fragen und offene Probleme verbunden, doch im Unterschied zu anderen Disziplinen steht eine breite Diskussion über Folgen und mögliche neue Konzepte des geschichtswissenschaftlichen Publizierens immer noch aus. Ausgehend von der Geschichte der Institutionalisierung der geschichtswissenschaftlichen Fachinformation befasst sich der Beitrag mit den aktuellen Tendenzen. Mit Blick auf die deutsche Geschichtswissenschaft wird skizziert, wie sich Fachinformation im Internet zu institutionalisieren beginnt, um danach zu fragen, wie in Zukunft eine moderne, den informationstechnischen Möglichkeiten den Internets angemessene Erschließung historischer Fachinformation aussehen könnte.

 

Der Historiker im Netz

Robert Holzbauer

Beitrag

Als beinahe der einzige österreichische Zeithistoriker mit einem privaten fachbezogenen Internetauftritt schildert der Beitrag - halb ein persönlich gehaltener "Zeitzeugen"-Bericht, der die Anfangstage der neuen Medien im Bereich der österreichischen Zeitgeschichtsforschung Revue passieren läßt, halb eine kritisch-polemische Bestandsaufnahme des Verhältnisses von Geschichte und (Internet-)Öffentlichkeit -, welche Erfahrungen Robert Holzbauer mit seinem historischen Webangebot machen konnte.

 

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