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 "Résistancemythos" - "Opfermythos"

Ein Vergleich der französischen und österreichischen Erinnerungspolitik und ihrer Geschichtsnarrative nach 1945 im Spiegel der Denkmäler (Arbeitstitel)

ein Dissertationsprojekt von Katharina Wegan


Unter "Mythen" werden "meist mündlich tradierte Erzählungen" verstanden, "die im Dienste einer vorwissenschaftlichen Erklärung und Beschreibung der Lebenswelt stehen und sich meist vor der Folie eines kosmischen oder übernatürlichen Bezugsrahmens abspielen".1 Auch im Zusammenhang mit den Geschichtsinterpretationen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg, die sich in den einzelnen Ländern mehr oder weniger durchgesetzt haben, wird von "Mythen" gesprochen, die, aus dem sakralen Bezugsrahmen herausgenommen und in einen weltlichen hineingestellt, kulturell bestimmte Deutungsmuster der Vergangenheit bezeichnen. Roland Barthes2 sieht in ihnen "entpolitisierte" Aussagen im Sinne von Erzählungen, die den Tatsachen ihre geschichtliche, d.h. "hergestellte" Eigenschaft nehmen. Sie stellen Tatsachen fest, erklären sie aber nicht, wodurch sie sie klar als natürliche Begebenheiten erscheinen lassen.

In diesem Sinne sind auch die Begriffe "Résistancemythos" und "Opfermythos" zu begreifen, die vor allem als Ausdruck der Kritik an den hegemonialen Geschichtsdiskursen in Bezug auf Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Vichy-Regierung in Österreich bzw. Frankreich verwendet werden. In diesem Zusammenhang werden sie abwertend als Verherrlichung einer einzigen Geschichte bzw. Person verstanden.

Das hier vorgestellte Dissertationsprojekt nimmt die Kritik an diesen hegemonialen Geschichtsdiskursen zum Anlaß, ausgehend von Erinnerungs- und Gedächtnistheorien, deren Konstruktion und Destruktion im jeweiligen kulturellen Kontext zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Die Untersuchung stützt sich dabei auf Denkmäler, die als kulturelle Ausformung der Erinnerung im öffentlichen Raum ein machtpolitisches Instrument zur Durchsetzung von Geschichtsdeutungen, gleichzeitig aber einen Spiegel  des "kollektiven Gedächtnisses" (Maurice Halbwachs) einer Gemeinschaft darstellen. Vor dem Hintergrund von Denkmaltheorien sollen konkret jene Gedächtnismale überprüft werden, die zum Zweck der Erinnerung an die Opfer von Widerstand und Verfolgung und des Krieges in Frankreich und Österreich errichtet worden sind.

1a) Gesellschaftliche Funktion und Funktionieren von "Mythen"

"Mythen" kommt die Funktion zu, die Vergangenheit aus einem bestimmten Blickwinkel heraus zu beschreiben und zu deuten, um Gegenwart und Zukunft zu erklären, ihnen Sinn zu verleihen.
"Die Verwirklichung politischer Ziele braucht ihre Vision, die revolutionäre Stoßkraft, ihren schlagkräftigen Mythos. Danach erscheint die negative Gegenwart als Interim zwischen einer großen Vergangenheit und einer ebenso großen Zukunft, zu denen Erinnerung und Hoffnung die Verbindung halten. Erinnerung wird zu einer politischen Kraft, welche kontrapräsentische Normen aufrichtet. Mit Energie soll die schlechte Gegenwart überwunden und die neue Zeit herbeigeführt werden."3
Gerade in Zeiten des Umbruchs erscheint es den Machträgern einer Gemeinschaft wichtig, auf die Interpretation der Vergangenheit maßgebenden Einfluß auszuüben. Bestimmte Ereignisse bzw. Persönlichkeiten werden bewußt im "kollektiven Gedächtnis" gehalten, und andere wieder vergessen bzw. verschwiegen, einerseits um ihre Machtposition zu stärken, andererseits um die Gräben innerhalb der Gemeinschaft zu verschütten. Instrumentalisierung der Vergangenheit ist ein Mittel dafür, Tradition zu stiften und neue Kontinuitäten bzw. Diskontinuitäten zu erzeugen.4 Diesem Zweck dienen vereinfachte Geschichtserzählungen mit dehnbaren Schlagwörtern wie zum Beispiel "Kollaboration", "Widerstand" oder "Opfer". Sie schaffen "die Komplexität der menschlichen Handlungen ab" und verleihen ihnen "die Einfachheit der Essenzen". Indem "jedes Vordringen über das unmittelbar Sichtbare hinaus" unterdrückt wird, organisieren sie "eine Welt ohne Widersprüche".5 Als solche besitzen "Mythen" vier zentrale Funktionen6: Erstens bilden sie die Grundlage zu politischer Legitimation; zweitens stellen sie eine Orientierungshilfe für die Identität einer Nation dar und verleihen der Vergangenheit Sinn. Weiters versinnbildlichen und begründen sie die Einheit politischer Gemeinwesen. Und schließlich helfen sie komplexe Sachverhalte auf einfache Erklärungsmuster zu reduzieren (Kollaboration - Widerstand; Nationalsozialist - Opfer).

"Mythen" entstehen zum einen also aus einem Kampf um die Deutungsmacht der Geschichte zwischen konkurrierenden Gruppen. Zum anderem nähren sie sich auch "aus einer Quelle, die [ihnen] selbst eigen ist"7. D.h. sie bedürfen eines minimalen Grades an Übereinstimmung mit der Wahrnehmung der Ereignisse durch die Gemeinschaft. Es handelt sich also keineswegs um rein erfundene oder unwahre Erzählungen der Vergangenheit, sondern um kanonisierte Deutungen vergangener Ereignisse, die es einem Großteil der Gesellschaft ermöglichen, sich in ihr wiederzufinden und individuellen Vergangenheiten Sinn zu verleihen. So bleiben bestimmte Personen und Ereignisse zwar in Erinnerung, andere werden aber bewußt verschwiegen, vergessen oder umgedeutet. Daher muß "Erinnerung" gleichzeitig als "Vergessen" begriffen werden.

Selbst wenn "Mythen" als Natur und Ewigkeit gegründet werden8, dürfen sie nicht als unveränderliche Geschichtsnarrative begriffen, sondern müssen als dynamische Erzählstränge gesehen werden. Denn als Teil der "kollektiven Gedächtnisses" verändern sie sich mit ihren "sozialen Rahmen" (Maurice Halbwachs). D.h. sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit pragmatischen Handlungsverläufen und anderen kulturellen Ausformungen einer Gemeinschaft, die einander gegenseitig beeinflussen.

Die Interpretationen der Vergangenheit formen sich in sogenannten "Erinnerungsfiguren" des "kulturellen Gedächtnisses" (Jan Assmann) einer Gemeinschaft aus. Sie stellen in einem kulturellen Raum feste Anhaltspunkte dar, die den Alltag in einem bestimmten zeitlichen Zyklus durchbrechen und die Gemeinschaft auf Ereignisse in der Vergangenheit verweisen. Feste, Gedenktage, Denkmäler u.v.m. zählen zu solchen Orten, die Erinnerung speichern.

Denkmäler sind eine besondere Form von "lieux de mémoire" (Pierre Nora): sie stehen als einzige Form des "kulturellen Gedächtnisses" im öffentlichen Raum und prägen damit Raum und Weltbild einer Gemeinschaft nachhaltig. Da kein anderes kulturelles Medium einen solch hohen Grad an Öffentlichkeit aufweist, werden Denkmäler als das geeignetste Machtinstrument erkannt, die Sicht der Dinge bildlich und für die "Ewigkeit" festzuhalten.

1b) Der Denkmalbegriff

Der Begriff "Denkmal"9 ist eine vieldeutige Gattungsbezeichnung für dreidimensionale, plastische oder architektonische Gebilde im öffentlichen Raum. Er ist zunächst klar von Skulpturen oder Installationen von "Kunst im öffentlichen Raum" abzugrenzen, die zwar eine bestimmte Kunstauffassung widerspiegeln, aber das wesentlichste Merkmal eines Denkmals nicht besitzen: die erinnernde Funktion. Eine der ersten Definitionen des Denkmalbegriffs stammt vom Kunsthistoriker Alois Riegl, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen "gewollten" und "ungewollten" Denkmälern unterscheidet:
"Unter Denkmal im ältesten und ursprünglichsten Sinne versteht man ein Werk von Menschenhand, errichtet zu dem bestimmten Zwecke, um einzelne menschliche Taten oder Geschicke (oder Komplexe mehrerer solcher) im Bewußtsein der nachlebenden Generationen stets gegenwärtig und lebendig zu erhalten"10
Diese Art von Denkmal, die mit der Absicht, an eine bestimmte bestimmte Person bzw. Personengruppe oder ein Ereignis zu erinnern, errichtet werden, trägt meist eine Inschrift, welche die zu erinnernde Person(engruppe) bzw. das denkwürdige Ereignis nennt, ebenso wie jene Personen, die das Gedächtnis an jene erhalten möchten. Es handelt sich bei dieser Denkmalsgattung also um "erinnernde Monumente"11.

"Ungewollter" Natur hingegen sind Werke, deren Herstellerinnen und Hersteller in erster Linie dessen praktischen oder idealen Nutzen sahen und in denen erst die Nachwelt Zeugnisse einer künstlerischen und kulturellen Epoche erkennt. Die Bezeichnung "Denkmal"  muß in diesem Fall nicht in einem objektiven, sondern vor allem in einem subjektiven Sinn verstanden werden: "[...] nicht den Werken selbst kraft ihrer ursprünglichen Bestimmung kommt Sinn und Bedeutung von Denkmalen zu, sondern wir moderne Subjekte sind es, die ihnen dieselben unterlegen. In beiden Fällen - den gewollten und den ungewollten Denkmalen - handelt es sich um einen Erinnerungswert, und deshalb sprechen wir ja auch da wie dort von "Denkmalen"; [...] im ersteren Falle wird uns der Erinnerungswert von anderen (den geistigen Urhebern) oktroyiert, im letzteren wird er durch uns selbst bestimmt."12 Natürlich kann jedes "ungewollte" Denkmal zu einem "gewollten" (gemacht) werden - wie zum Beispiel die Überreste der Konzentrationslager oder Hinrichtungsplätze der Nationalsozialisten. Wesentlich dabei ist der Wille der Gemeinschaft, einen bestimmten Moment der Vergangenheit im Bewußtsein der Nachwelt stets zu vergegenwärtigen und in Erinnerung zu halten.

"[...] der Beruf der meisten gewöhnlichen Denkmale ist es wohl, ein Gedenken erst zu erzeugen, oder die Aufmerksamkeit zu fesseln und den Gefühlen eine fromme Richtung zu geben, weil man annimmt, daß es dessen einigermaßen bedarf [...]."13 - Die Denkmälern ureigene Funktion besteht also darin, Erinnerung zu speichern. Damit stellen sie vermittelte Interpretationen der Vergangenheit dar, und zwar Interpretationen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, die versuchen, mit Hilfe des Denkmals den Betrachterinnen und Betrachtern ihre Sicht der Ereignisse als für die Gemeinschaft gültige durchzusetzen. Einerseits stellen sie also einen Bezug zur Vergangenheit her. "Diese Erinnerungsleistung ist aber keineswegs eigentliches Ziel, sondern soll Betrachter und Besucher dazu verleiten, aufgrund der Erinnerung Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen: Die Erinnerung führt zu einer Verpflichtung, das gegenwärtige Handeln soll im Sinne der Auftraggeber beeinflußt werden. Jedes Denkmal hat folglich eine klare politische Funktion."14 Andererseits stiften Denkmäler Sinn, legitimieren und erklären Gegenwart und Zukunft. So gesehen können sie auch als Willensausdruck von Gruppen begriffen werden, ein neues Bild gegen ein altes auszutauschen bzw. dem alten einen neuen Aspekt hinzuzufügen.

In allen Fällen "lebt" das Denkmal in den Augen seiner Betrachterinnen und Betrachter. So wie seine Aussage nur als Produkt seiner Zeit begriffen werden kann, wird es auch von den Betrachterinnen und Betrachtern allein in deren kulturellem Kontext wahrgenommen. Wenn im Laufe der Zeit, infolge von Systembrüchen oder gewandelten Geschichtsbildern der Inhalt eines Denkmals obsolet wird und auf geringes Verständnis in der Gesellschaft trifft, wird es entweder gestürzt, umgewidmet bzw. neu gestaltet oder ein "Gegendenkmal" errichtet. Denkmalsturz, Neugestaltung und "Gegendenkmal" sind Reaktionen der Gesellschaft auf tradierte Inhalte oder überkommene Formen und Symbole; Reaktionen in welcher Form auch immer deuten gleichzeitig auf das Vorhandensein von "sozialer Energie" (Stephen Greenblatt) eines Themas/einer ästhetischen Form in der Gesellschaft hin.15
Erst wenn ihnen diese Fähigkeit, kollektive physische und mentale Empfindungen hervorzurufen, abhanden kommt, erlangt der bekannte Satz von Robert Musil, nichts sei so unsichtbar wie Denkmäler, Geltung.16 Obwohl die scheinbare "Unsichtbarkeit" in manchen Fällen aber auch als eine Art Gewöhnungseffekt interpretiert werden kann.

Zusammenfassend kann über die Denkmallandschaft gesagt werden, daß sie in ihrer Gesamtheit die Erinnerungen einer Kultur widerspiegelt. Denkmäler stehen entweder mit ihrer Aussage in Konkurrenz zueinander, oder er, oder sie transportieren ein einheitliches Bild der Vergangenheit. In jedem Fall sind sie Indikatoren für den Willen, eine Sichtweise der Geschehnisse in einer Gemeinschaft als die gültige durchzusetzen. Inwieweit ihre Aussage mit dem herrschenden Geschichtsverständnis übereinstimmt, kann nur in Verknüpfung mit anderen kulturellen Medien festgestellt werden.

2) Der Untersuchungsgegenstand

Wie sich "Mythen" im oben beschriebenen Sinn ausbilden und welche Funktion sie nach politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen erfüllen, soll konkret anhand der österreichischen und französischen Erinnerungspolitik, die nach 1945 den "Opfermythos" bzw. den "Résistancemythos" hervorgebracht hat, untersucht werden.

Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg spalteten die einzelnen Gemeinschaften in Europa in ihrem Innersten. Denn gleichzeitig mit dem Krieg gegen Deutschland fand auch ein Kampf zwischen sehr unterschiedlichen Gesellschaftskonzeptionen und Ideologien statt.

1945 versuchte schließlich jeder Staat, sich auf die Seite der Sieger zu schlagen, also auf die Seite der Alliierten und jener, die sich noch vor Ende des Krieges mit ihnen verbündet hatten. Angesichts der Natur des Krieges bestand für jeden Menschen die Dringlichkeit, sich von den brutalen Taten und Grausamkeiten Deutschlands und der Nationalsozialisten zu distanzieren, gleichgültig, ob man sie nun unterstützt, sie einfach resigniert geduldet oder bekämpft hat. So suchten die Menschen, abhängig vom politischen Kontext des eigenen Landes, für ihr individuelles Handeln entschuldigende Erklärungen. Die Staaten ihrerseits mußten die Distanzierung sowohl auf außenpolitischer Ebene als auch im innenpolitischen Kontext vornehmen: außenpolitisch galt es, die ehemalige Machtposition oder überhaupt die Existenz des Staates zu sichern; innenpolitisch war es notwendig, die Stabilität innerhalb der Gemeinschaft wiederherzustellen und die gesellschaftlichen Gräben zuzuschütten. So tauchten je nach politischer Ausgangslage Erklärungsmuster auf, die das Ende des Krieges als "Befreiung vom Faschismus" und "Libération" (auf seiten der Siegerstaaten) oder als "Stunde Null" und "Neuanfang" (auf Seiten der Besiegten) und die nationalsozialistischen Verbrechen als Folge einer verbrecherischen Führung am Volk (in vom Nationalsozialismus besetzten Gebieten) oder als äußerste Konsequenz einer dem Volk inhärenten Geisteshaltung (Deutschland) interpretierten. Österreich stellt insofern einen Sonderfall dar, als  der Nationalsozialismus aus der österreichischen Gesellschaft völlig externalisiert wurde; mit der Begründung, Österreich habe zu dieser Zeit gar nicht existiert, fand eine "Entschuldung" des österreichischen Volkes statt.17

Im Fall Österreichs stützt sich der "Opfermythos" einerseits auf politische Tatsachen, wie den völkerrechtswidrigen Anschluß Österreichs an das "Dritte Reich" (1938), mit all seinen politischen und bis in das Privatleben hineinreichenden Konsequenzen, oder wie eine Widerstandsbewegung, die sich zwar aus dem gesamten politischen Spektrum, von rechts bis links, nährte, aber keinen besonderen Rückhalt in der Bevölkerung genoß. Andererseits stimmt er mit wesentlichen, historisch belegten Gegebenheiten nicht überein: Er verschweigt die Hitler zujubelnden Mengen am Wiener Heldenplatz, die begeistert in den Krieg ziehenden Soldaten, die an der Vertreibung und Vernichtung der Juden und anderer Bevölkerungsgruppen maßgeblich beteiligten Österreicherinnen und Österreicher, die bereits vor 1938 existierende Diktatur des "Ständestaates" und vieles mehr.

In den 1950er/1960er Jahren setzt sich die Geschichtsinterpretation vom "ersten Opfer Hitlers" (Moskauer Deklaration 1943) durch. Bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages (1955) ist bereits ein hoher Grad der Identifikation mit dieser Deutung der Ereignisse in der österreichischen Bevölkerung zu beobachten. Dazu beigetragen haben sicherlich u.a. die großzügige Amnestiepolitik ab 1948 (Minderbelastetenamnestie etc.), die Zulassung des VdU/WdU und der ehemaligen Nationalsozialisten zu den Wahlen (1949) und die Anerkennung der Kriegsopfer (Kriegsopferfürsorgegesetz).

Ein überwiegend von der Bevölkerung getragenes Gefallenengedenken und ein vor allem staatliches Gedenken an den "Österreichischen Freiheitskampf"18 (besonders ab 1965: Einrichtung des Weiheraums für die Opfer des Widerstandes im linken Flügel des Äußeren Burgtores am Wiener Heldenplatz) lassen trotz rechtsradikaler und neonazistischer Ausschreitungen in den 1960er Jahren (Schillerfeiern, Borodajkewycz-Affäre,...) durchaus auf einen gefestigten "Opfermythos" schließen: Als Indiz dafür kann der vom Heldenplatz bis zum Schwarzenbergplatz reichende Trauerzug für den ehemaligen kommunistischen Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger gewertet werden, der bei Demonstrationen für und gegen den damaligen Wirtschaftsprofessor Taras Borodajkewycz von einem Neonazi niedergeschlagen worden und einige Tage darauf seinen Verletzungen erlegen ist. So steht für das "erste Opfer Hitlers" das gleichzeitige Gedenken an die Opfer des Freiheitskampfes (die Opfer des Bürgerkrieges von 1934 und der Faschismus des "Ständestaates" werden kaum bis gar nicht thematisiert: die neu errungene österreichische Identität ist mit dem Patriotismus à la Dollfuß durchaus kompatibel) und an die "in Treue für das Vaterland" gefallenen Soldaten keineswegs zueinander im Widerspruch. Dieser "double speak" (Anton Pelinka) ist das Charakteristikum des sogenannten "Opfermythos".

Die massive Kritik der ersten Nachkriegsgeneration an diesem Geschichtsnarrativ findet zunächst nur im wissenschaftlichen Diskurs seinen Niederschlag. In der Öffentlichkeit gerät es erst mit der Diskussion um die Person Kurt Waldheims (1986) ins Wanken.

Ab den 1980er Jahren ist auch im Zusammenhang mit dem Erwachen einer spezifisch jüdischen Identität ein verstärktes Gedenken an die Opfer der Shoah zu beobachten. Das Zusammenfallen von Generationswechsel, Erwachen jüdischer Identität und externen Einflüssen verändert das Gedenken an den Nationalsozialismus beträchtlich: Im sogenannten "Bedenkjahr 1938/1988" steht die Erinnerung an die Shoah im Zentrum der österreichischen Gedächtniskultur. In der Folge ist ein wachsendes Interesse an bisher völlig verschwiegenen Opfergruppen der nationalsozialistischen Verfolgung (Roma und Sinti, Euthanasie-Opfer, Homosexuelle, Zeugen Jehovas u.v.a.) festzustellen.

Ein verstärktes Gedenken an die Shoah, getragen von Juden und Nicht-Juden, ist ab den 1970/1980er Jahren auch im Fall Frankreich zu beobachten. Henry Rousso19 nennt es die Phase der "obsession"20, die er von einem Erwachen einer neuen jüdischen Identität und einer spezifisch jüdischen Erinnerung geprägt sieht und in der immer wieder auf die Zeit der "Occupation" Bezug genommen wird. Sie folgt nach Rousso auf die Jahre des "miroir brisé" (1971-1974), in denen nach dem Tod des Général De Gaulle (1971) der "Résistancemythos" nach und nach zusammenbricht. De Gaulle nährte mit seiner Anhängerschaft neben den Kommunisten eine "mythologie résistancialiste"  (im Unterschied zum "résistantialisme", den die rechtsextreme Opposition anprangert). Im Gegensatz zu den Kommunisten aber, die den "Verrätern" das ideologische Motiv der "Révolution nationale" angelastet hatten, beschränkten sich die Gaullisten darauf, das Vichy-Regime zu diskreditieren und die gesellschaftlichen Konfliktpotenziale auf ein stark vereinfachtes Freund-Feind-Schema (eine Handvoll Verräter - eine große Mehrheit, die, wenn nicht aktiv, so zumindest passiv Widerstand geleistet hat) zu reduzieren. Der "Résistancemythos" gaullistischer Prägung radierte die radikale Ideologie, die dem Regime Pétains zugrunde lag, aus der Erinnerung gänzlich aus. Es blieb nur mehr der "Armistice" vom 10. Juli 1940 als Makel an der französischen Geschichte haften. Ohne Wurzel und Ursprünge in der französischen Gesellschaft generierte "Vichy" zu einem "Ereignis", dem bis auf ein paar Verräter alle Französinnen und Franzosen  tapfer Widerstand geleistet hatten. So entwickelte sich die "Résistance" von einer populären Bewegung hin zu einer der französischen Gesellschaft eigenen Geisteshaltung (vgl. das gallische Dorf von Astérix), die für einige selbst auf den ehemaligen Maréchal Pétain übertragbar wurde: um die Erinnerung an den Retter der Nation vom Ersten Weltkrieg (beinahe) ungetrübt erscheinen zu lassen, erklärte man die offensichtlich pro-deutsche Politik Pétains als doppeltes Spiel gegen Hitler; politische Entscheidungen, die in dieses Erklärungsmuster nicht hineinpaßten, lastete man dem zeitweiligen Regierungschef Laval oder anderen "Verrätern" an.

Erst mit dem Ausblenden der "Révolution nationale" und deren französischen Ursprungs gelang es De Gaulle, seine Sicht der Vergangenheit durchzusetzen (1960er Jahre). Die feierliche Überführung der sterblichen Überreste des Widerstandshelden Jean Moulin ins Panthéon sind Indiz für den Rückhalt, den diese Geschichtserzählung in der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt (18./19. Dezember 1964) bereits genießt.

2a) Auswahl des Untersuchungsbereiches und des Quellenkorpus

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses steht jene Phase, in der sich die "Mythen" in der oben beschriebenen Form durchsetzten. Diese ist im wesentlichen auf die 1950/1960er Jahre zu beschränken.

Wenn die Ausformulierung der Gedächtniskulturen Frankreichs und Österreichs in der Nachkriegszeit anhand von Denkmälern untersucht werden soll, müssen die Eigenschaften des Denkmals in der Definition des Erinnerungsmales bedacht werden. Es ist zunächst also nach dem Errichtungszeitraum, nach den Trägergruppen und nach der symbolischen Aussagekraft des Standortes zu fragen.

Insbesondere der Standort des Erinnerungsmales weist auf seine Bedeutung innerhalb der Gesellschaft hin. Der zentrale Stellenwert eines Denkmals kann zum einen anhand von geographischen Gesichtspunkten ermittelt, zum anderen anhand symbolischer Kriterien erklärt werden. Steht ein Denkmal im Zentrum einer Stadt oder in der Hauptstadt eines Landes darf von geographischer Zentralität gesprochen werden. Befindet es sich hingegen abseits stark frequentierter Plätze, verborgen vor den Blicken der Öffentlichkeit, kann das ein Hinweis auf seine marginale Bedeutung sein - außer: es handelt sich dabei um einen geschichtsträchtigen Ort, um einen Ort des Geschehens, wie zum Beispiel um den Mont Valérien in Paris, wo sich zur Zeit der Occupation die Hinrichtungsstelle der Nationalsozialisten befunden hatte und heute eine Gedenkstätte für die ermordeten Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer eingerichtet ist, oder um die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen. Das sind Orte, die zwar im geographischen Sinn keineswegs zentral liegen, die jedoch in den Köpfen der Menschen einer Erinnerungskultur eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Ereignis verkörpern. Die Gesellschaft mißt diesen Orten also Bedeutung bei und kennzeichnet sie - aktiv - als Erinnerungsorte.

Der geographische wie der symbolische Standort eines Denkmals gibt über dessen Zentralität jedoch allein zum Zeitpunkt der Errichtung Auskunft. Es kann trotz seines zentralen Standortes seine (ursprüngliche) Aussagekraft für die Gesellschaft im Laufe der Zeit verlieren. Seine "soziale Energie" ist anhand "institutionalisierter Kommunikation" (Jan Assmann), also anhand von Reden, Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern rund um das Denkmal feststellbar.

Die Auswahl der zu untersuchenden Denkmäler wird sich in erster Linie an diesen Merkmalen der Zentralität orientieren. Parallel dazu muß aber auch danach gefragt werden, welche Denkmäler die herrschende Geschichtserzählung versinnbildlichen, welche sie konterkarieren und welche Ereignisse in der Denkmallandschaft völlig ausgespart bleiben. Besonderes Augenmerk wird auf jene Denkmäler gelegt, die entweder aus staatlicher Initiative heraus entstanden sind oder die im nachhinein von politischen Würdenträgerinnen und Würdenträgern in den Kanon der "institutionalisierten Kommunikation" aufgenommen wurden (z.B.: das Ehrengrab Jean Moulirab Jean Moulins im Panthéon in Paris, der Weiheraum für die Österreichischen Freiheitskämpfer im linken Flügel des Äußeren Burgtores in Wien bzw. die Gedenktafel am ehemaligen Platz des Vélodrome d'Hiver für die Opfer der Razzia des 16. Juli 1944 (Paris) oder das Denkmal für die Opfer des Widerstandes am Morzinplatz, wo sich im ehemaligen Hotel Metropol das Gestapo-Hauptquartier befunden hatte). Diesen vom Staat anerkannten Erinnerungsmalen sollen einerseits Denkmäler gegenübergestellt werden, die in der Erinnerungspolitik Frankreichs bzw. Österreichs eine untergeordnete oder nur außenpolitische Rolle spielen (z.B.: die Monumente an der Landungsküste der Alliierten in der Normandie oder das Heldendenkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz), andererseits jene Erinnerungen, die lange Zeit keinen Niederschlag in der Denkmallandschaft gefunden haben (z.B.: die französischen Internierungslager, das Gedenken an die (Tito-)Partisanen sowie jenes an Juden, Roma und Sinti, Homosexuelle, Euthanasieopfer etc.).

2b) Der Vergleich Frankreich - Österreich

Frankreich und Österreich sind von ihrer politischen Ausgangslage her sehr unterschiedliche Fälle. In groben Zügen nachgezeichnet steht Frankreich als von Deutschland besiegtes und besetztes Land, das sich zwar mit Hilfe der Alliierten, im wesentlichen aber aus eigener Kraft befreit hat und sich nach dem Krieg auf einen Reihe namhafter Helden des Widerstandes berufen konnte, einem Österreich gegenüber, das quasi kampflos dem "Dritten Reich" einverleibt worden war, im Krieg in den Reihen der Deutschen Wehrmacht gekämpft hatte, dessen eigener Beitrag zur Befreiung vom Nationalsozialismus vergleichsweise gering war bzw. dessen Widerstand nur geringe  Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten hatte,  das erst zehn Jahre nach Kriegsende mit dem Staatsvertrag staatliche Souveränität erlangte und erst ab diesem Zeitpunkt auf ein überwiegend positives Identifikationsmoment verweisen konnte.

Andererseits sind sehr wohl auch Gemeinsamkeiten in ihrer Erinnerungskultur zu erkennen. So wurden beispielsweise in Frankreich wie in Österreich die Kriegerdenkmäler bzw. "monuments aux morts" des Ersten Weltkrieges mehr oder weniger einheitlich erweitert. Die Erinnerung beider Kriege in ein und demselben Denkmal kommt einer Gleichsetzung des Zweiten mit dem Ersten Weltkrieg gleich. So verwischen die französischen "monuments aux morts" die "Occupation" und "Vichy"  und die österreichischen Kriegerdenkmäler die Tatsache, daß die Soldaten des Zweiten Weltkrieges im Dienst eines Regimes gefallen sind, das im Widerspruch zur Existenz Österreichs und der Zweiten Republik steht. Oder: die Denkmallandschaft beider Länder weist dieselben "weißen Flecken" auf, was die Erinnerung an die jüdischen Opfer dieser Zeit betrifft. Oder: der "Mythos" Frankreichs wie jener Österreichs setzt sich um die 1950er/1960er Jahre durch und bröckelt im Laufe der 1970/1980er Jahre kontinuierlich ab.

Der Vergleich wird auf verschiedenen Ebenen stattfinden müssen: Zunächst einmal stellt sich die Frage nach Gemeinsamkeiten/Unterschieden, was die politische Ausgangssituation und die darauffolgende Erinnerungspolitik anbelangt. Ein interessantes Vergleichsmoment werden dabei die spezifischen Denkmallandschaften darstellen.

Ein weiterer Schritt wird darin bestehen, zu untersuchen, welche internationalen nationalen Einflüsse die "Mythen" gleichermaßen bzw. in unterschiedlichem Ausmaß verändern und auch in welcher Stärke diese oder jene Phänomene jeweils rezipiert werden. In diesem Zusammenhang wäre es auch sehr spannend, die Bedeutung neuer wissenschaftlicher Zugänge auf die "Mythenbildung" zu erfassen.

Und schließlich wird versucht werden, aus dem Vergleich heraus, globale Tendenzen, Strukturen und Prozesse ideologischer Geschichtsbilder herauszufiltern.



 
 
1Annette Simonis, Mythos, in: Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie: Ansätze - Personen - Grundbegriffe, Hg.: Ansgar Nünning, Stuttgart, Weimar 1998, 390.
2Vgl. Roland Barthes, Mythen des Alltags, Frankfurt/Main 1964, 130-133; frz.: Mythologies, Paris 1957.
3Aleida Assmann, Zur Metaphorik der Erinnerung, in: Mnemosyne. Formen und Funktionen der kulturellen Erinnerung, Hg.: Aleida Assmann, Dietrich Harth, Frankfurt/Main 1991, 13-35, hier: 25.
4Vgl. Aleida Assmann in einer Diskussion am ifk-Workshop "transformationen gesellschaftlicher erinnerung" von 4. bis 5. Februar 2000 und auch in ihrem Aufsatz: Fluchten aus der Geschichte: Die Wiedererfindung von Tradition vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, in: Historische Sinnbildung. Problemstellungen, Zeitkonzepte, Wahrnehmungshorizonte, Darstellungsstrategien, Hg.: Klaus E. Müller, Jörn Rüsen, Reinbek bei Hamburg 1997, 608-625, hier: 608-609. Vgl. auch Eric Hobsbawm, Das Erfinden von Traditionen, in: Kultur und Geschichte. Neue Einblicke in eine alte Beziehung, Hg.: Christoph Conrad und Martina Kessel, Stuttgart 1998, 97-118.
5Barthes, Mythen des Alltags, 131.
6Vgl. Sabine R. Arnold, Christian Fuhrmeister, Dietmar Schiller, Hüllen und Masken der Macht: ein Aufriß, in: Politische Inszenierungen im 20. Jahrhundert. Zur Sinnlichkeit der Macht, Hg.: diess., Wien, Weimar, Köln 1998,18.
7Peter Reichel, Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit, München, Wien 1995, 325.
8Vgl. Barthes, Mythen des Alltags, 131.
9Vgl. zu Denkmalbegriff und -theorie u.a.: Alois Riegl, Entwurf einer gesetzlichen Organisation der Denkmalpflege in Österreich, in: Kunstwerk oder Denkmal? Alois Riegls Schriften zur Denkmalpflege, Hg.: Ernst Bacher (= Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bd. XV, Wien 1993). Hubertus Adam, Denkmäler und ihre Funktionsweise, in: Denkmal und Erinnerung. Spurensuche im 20. Jahrhundert. Anregungen für Schülerinnen- und Schülerprojekte, Hg.: Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Abteilung Politische Bildung, Wien 1993, 9-13. Georg Friedrich Koch, Die Postmoderne und das Denkmal, in: Denkmal - Zeichen - Monument. Skulptur und öffentlicher Raum heute, Hg.: Ekkehard Mai, Gisela Schmirber, München 1989, 115-124. Reinhart Koselleck, Politische Sinnlichkeit und mancherlei Künste, in: Politische Inszenierungen im 20. Jahrhundert, 25-34. James E. Young, Die Zeitgeschichte der Gedenkstätten und Denkmäler des Holocausts, in: Mahnmale des Holocausts. Motive, Rituale und Stätten der Erinnerung, Hg.: James E. Young, München, New York 1994, 19-40. Sybil Milton: Holocaust-Memorials: Erinnerung und Mahnung, in: Denkmal und Erinnerung, 45-49. Hans Ernst Mittig, Das Denkmal, in: Die Kunst. Die Geschichte ihrer Funktion, Hg.: Werner Busch und Peter Schmook, Wer Schmook, Weinheim 1987, 532-558.
10Riegl, Entwurf einer gesetzlichen Organisation der Denkmalpflege in Österreich, 55.
11Adam, Denkmäler und ihre Funktionsweise, 9. Dieser Begriff stellt an und für sich schon einen Pleonasmus dar, da die lateinische Wurzel "monere" des Wortes "Monument" bereits "erinnern "und "mahnen" zugleich bedeutet. Vgl. u.a. Milton, Holocaust-Memorials, 433.
12Riegl, Entwurf einer gesetzlichen Organisation der Denkmalpflege in Österreich, 58-59.
13Robert Musil, Denkmale, in: ders., Nachlass zu Lebzeiten, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1962, 62-66, hier: 63.
14Adam, Denkmäler und ihre Funktionsweise, 12 - 13.
15Vgl. u.a. Stephen Greeblatt, Die Zirkulation sozialer Energie, in: Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion, Hg.: Christoph Conrad und Martina Kessel, Stuttgart 1994, 219-250.: "Soziale Energie" kann nur indirekt in ihren Auswirkungen festgestellt werden, sprich in der Fähigkeit, kollektive physische und mentale Empfindungen hervorzurufen, diese zu gestalten und zu ordnen. Sie besitzt in ihren ästhetischen Erscheinungsformen ein Mindestmaß an Vorhersagbarkeit (ermöglicht einfache Wiederholungen), eine gewisse Mindestreichweite (Erreichbarkeit einer wie auch immer eingeschränkten Gesellschaft) und ein Mindestmaß an Anpassungsfähigkeit (an ständige soziale und kulturelle Veränderungen). Ihre Eigenschaften erhalten manchen kollektiven Äußerungen, die aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgenommen und an einen anderen Ort/in eine andere Zeit transferiert werden, mehr oder weniger lang die Illusion der Lebendigkeit.
16Vgl. Musil, Denkmale, 62.
17Vgl. Dan Diner auf der 36. Linzer Konferenz der Internationalen Tagung der Historikerinnen und Historiker der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung (ITH) vom 13. bis 15. September an der Universität in Linz.
18Das Beiwort "antifaschistisch" qualifiziert den kommunistischen Anteil am Widerstand, der in einer tief anti-kommunistisch eingestellten Gesellschaft und im Kontext des Kalten Krieges kein großes Ansehen genießt.
19Henry Rousso, Le Syndrome de Vichy de 1944 à nos jours, Paris 1987.
20Es bleibt zu untersuchen, inwiefern der von Henry Rousso gewählte Begriff "obsession" im französischen Kontext als antijüdischer/antisemitischer Terminus betrachtet werden muß.